Dienstag, 26. Januar 2021

Feuerwehr Gessel-Ristedt

Geschichte

01 100 Jahre Jubilaeum 1200

 Jahrelang gehörte zu den Standardaussagen von Stadtbrandmeister Dieter Scharf und seinem Nachfolger Stefan Schütte die feste Zusage, dass es weder im Rat der Stadt noch in der Verwaltung Pläne gibt, auch nur eine der zehn Syker Ortsfeuerwehren aufzulösen oder sie mit Nachbarwehren zusammenzulegen. Diese Aussage sorgte bei den Mitgliedern kleinerer Wehren immer für Erleichterung. Um so erstaunlicher, dass sich die Freiwilligen Feuerwehren Ristedt und Gessel-Leerßen nun doch zusammengeschlossen haben. Aber diese Fusion erfolgte auf Wunsch der Mitglieder und hatte natürlich auch ganz handfeste Gründe. Dass dieser Zusammenschluss erfolgen würde, war beiden Wehren nicht in die Wiege gelegt. Beide haben eine unterschiedliche Geschichte. Während in Gessel schon 1902 eine freiwillige Feuerwehr gegründet wurde, dauerte es in Ristedt noch bis 1934. Und auch das geschah nicht ganz freiwillig, aber 1934 musste ein neues Gesetz über das Feuerlöschwesen umgesetzt werden. 

 

Feuerschutz – früher und heute

Schon lange, bevor in Gessel, Leerßen oder Ristedt überhaupt jemand an freiwillige Feuerwehren dachte, gab es in jedem Dorf eine mehr oder weniger freiwillige Feuerwehr. Der gemeinsame Kampf aller Dorfbewohner gegen Schadensfeuer war selbstverständlich. Niemand konnte sich der Pflicht entziehen, bei der Brandbekämpfung zu helfen, wenn im Dorf ein Feuer ausgebrochen war.


Erste Maßnahmen zur Brandbekämpfung wurden bereits 1754 erlassen. In einer Verfügung vom 17. März 1754 heißt es: „Namens Sr. Königl. Majest. Unsers allergnädigsten Herrn (wird) verordnet und habet Ihr es denen Unterthanen gehörig bekannt zu machen, auch mit Ernst darüber zu halten, daß hinfüro jeder antretende Hauswirth einen ledernen Feuer-Eymer anschaffen müsse“.


„Durch der Hände langer Kette um die Wette“ hieß es damals. Motorspritzen, Schaumwerfer oder sogar eine „IFEX“-Impulspistole - derartige Löschgeräte konnte man sich noch nicht einmal vorstellen. Ganz zu schweigen von Feuermeldern, Funkgeräten und Atemschutzgerät. Der einzige wirksame Schutz bei einem Brand war die Nachbarschaftshilfe.

 

Feuergeschworene

Trotzdem war unter diesen Umständen kaum eine wirksame Brandbekämpfung möglich, und deshalb wurde das Schwergewicht beim Feuerschutz auf die Brandverhütung gelegt.
Das Ehrenamt des „Feuergeschworenen“ wurde durch das Königlich Großbritannisch-Hannoversche Amt Syke ab 1832 in jeder Gemeinde eingerichtet. Die Feuergeschworenen hatten die Aufgabe, „häufig und unvermutet, wenigstens aber alle vier Wochen Visitationen in allen Haushaltungen ihrer Bauernschaft durchzuführen“. Dabei wurde ihnen genau aufgegeben, worauf zu achten war: Die Öfen durften nicht auf hölzernen Füßen stehen, in Häusern ohne Küche mussten Hinter- und Vorderhaus durch ein Gitter getrennt sein, über Nacht mussten immer einige Eimer voller Wasser bereit stehen. Diese Eimer mussten im Winter so platziert werden, dass das Wasser nicht einfrieren konnte. Natürlich war auch darauf zu achten, dass leicht entzündliche Dinge wie Flachs, Stroh oder Heu abseits vom offenen Feuer gelagert wurden. In den Ställen oder bei der Arbeit durfte nicht geraucht werden.


Natürlich konnten auch die genauesten Vorschriften den Ausbruch von Bränden nicht verhindern. In nahezu jeder Stadt tauchen in den Chroniken Hinweise auf zum Teil verheerende Brände auf.
Auch der Barrier Pastor Johann Georg Drechsler, der am 16. Juni 1814 in Barrien eingeführt wurde und bis zum 10. Juni 1830 dort wirkte, konnte darüber berichten. „Nichts ist häufiger auf dem Lande als Feuersbrünste. In den sieben Jahren, so ich in Barrien zubrachte, erlebte ich schon acht in meiner Gemeinde und namentlich hier in Barrien, wo immer mehrere Gebäude niederbrennen“, schreibt er 1821, wobei unsere Leser wissen müssen, dass Gessel, Leerßen und Ristedt zur Kirchengemeinde Barrien gehören.


Die Angst vor Schadensfeuern war groß. Manch einen hatte ein Brand um Hab und Gut gebracht, drohende Gewitter sorgten für Angst und Schrecken, und noch bis in die 50-er Jahre hielten die Menschen in unserer Heimat bei schweren Gewittern ihre wertvollste Habe und ihre wichtigsten Papiere griffbereit, um sie bei einem Blitzeinschlag in Sicherheit bringen zu können. Das hatten sie von ihren Eltern so gelernt. Jeder Ristedter, Gesseler oder Leerßer Bauer wusste, aus welcher Richtung die wirklich schweren Gewitter drohten.
Sprüche aus dieser Zeit sind Älteren noch bekannt. Einer lautete: „Dat ward slimmer, seggt de Kinner. - Dat kummt raber, seggt de Naber. - So is`t recht, seggt de Knecht“. Hier zeigt sich deutlich die Angst der Kinder, die sie bei ihren Eltern spürten, die Beunruhigung, die vom Nachbarn ausging und die Gleichgültigkeit der Knechte, die sowieso nichts zu verlieren und bei einem Gewitter sogar eine Arbeitspause hatten.


Kaum ein anderes Ereignis sorgt für so großes Entsetzen wie ein Brand in den eigenen vier Wänden. Daran ändert auch nichts, dass wir heute meistens versichert sind, denn es gibt Werte, die unersetzlich sind und die keine Versicherung ersetzen kann, wenn sie durch ein Feuer unwiederbringlich verloren sind.


Obgleich im Dezember 1755 bereits darauf aufmerksam gemacht wurde, dass „bey der seit einigen Jahren mit Calenbergischer Landschaft bestandenen Brand-Assecurations-Gemeinschaft bereits ein Catastrum verfertiget (ist), worin die in denen Grafschaften Hoya und Diepholtz befindlichen Häuser aufgeführet und mit einer gewissen Nummer bezeichnet sind“, konnte sich längst nicht jeder Hausbesitzer diese Feuerversicherung leisten.

 

Pastor Johann Georg Drechsler

Schon lange vor der Gründung der Gesseler und Ristedter Wehr hatte Pastor Drechsler darüber geklagt, dass selbst größte Sorgfalt im Umgang mit dem Feuer das Ausbrechen von Bränden nicht verhindern könne. Er kritisiert vielmehr „den Mangel an den nöthigen Geräthschaften zur Dämpfung und Erstickung des Feuers schon beim Ausbruch, Mangel an Sprützen, Feuereimern usw., so wie auch an gehöriger Ordnung, an Wasser, das immer erst aus einiger Entfernung aus der vorbeifließenden Hache.... herbei gebracht werden musste.“ Für die Zukunft wünschte sich Drechsler einen festen Platz für Feuerhaken, Eimer und andere Geräthschaften, zudem eigens angelegte Wassergruben oder –gräben, natürlich auch „Sprützenmänner“, die zur richtigen Zeit das Richtige tun. Er sorgte für eine weitere Verbesserung des Feuerschutzes. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt 1814 und noch einmal drei Jahre später wandte ersich mit Eingaben an das Amt Syke. Darin schilderte er den unvorsichtigen Umgang der Menschen mit dem Feuer, "um nichts vom Mißbrauch der Tabakspfeifen zu sagen". In diesen Eingaben regte er den Kauf einer Feuerspritze für das Kirchspiel Barrien an, die endlich 1822 auch beschafft wurde. Eine Feuerspritze für das gesamte Kirchspiel !

 

Kirche und Feuerwehr

Pastor Lührs machte den Superintendenten Landsberg, Kirchweyhe, 1894 darauf aufmerksam:

"Für eine so große Gemeinde, welche eine Längsausdehnung von 18 Kilometer hat, ist aber eine Spritze nicht genügend". In den Außendörfern habe es mehr fach gebrannt "ohne daß in Barrien etwas davon bemerkt war".

Schon 1886 plante die Gemeinde Okel den Kauf einer eigenen Spritze. Bis dahin hatten die Okeler, wie auch die Einwohner der anderen Kirchspielorte alle Kosten für die Spritze mitgetragen. Jetzt stellten sie den Antrag, davon befreit zu werden, da sie eine eigene Spritze hätten und im Gegenzug auch auf Anrechte an der Barrier Spritze verzichten wollten. Darauf ließ sich die Kirchengemeinde nicht ein. Pastor Lührs nannte auch den Grund dafür: "Die Spritze hat zu ihrem nächsten Zweck die Beschützung der Kirche und der übrigen geistlichen Gebäude bei Feuersgefahr und wird sich Okel der Verpflichtung dieses zu gewährenden Schutzes nicht entziehen können und sollen".

1894 beschloss der Barrier Kirchenvorstand, Feuerspritze und Spritzenhaus der Gemeinde zu übertragen. Dass dies kein großherziges Geschenk war, geht aus dem Brief hervor, den der Barrier Pastor seinerzeit dem Superintendenten schrieb. Darin teilte er mit, dass es schwierig geworden sei, Mannschaften zu finden. Außerdem gab es für die politischen Gemeinden Zuschüsse durch den Landkreis. Sollte die Barrier Gemeinde die Spritze übernehmen, würden bei den in Aussicht gestellten Zuschüssen wohl in den Außendörfern noch zwei weitere Spritzen angeschafft werden.

Lührs bestätigt, dass die Gemeinde Anfangs Schwierigkeiten machte, das Geschenk anzunehmen, da die Unterhaltungskosten sehr hoch waren. "Die Spritzenmannschaft erhält jährlich 27 M aus der Kirchenkasse und sind die Reparaturkosten in manchen Jahren recht erheblich".

Spitzfindig fügt Pastor Lührs hinzu, dass die Spritze zwar in der Hauptsache zum Schutz der geistlichen Gebäude gedacht war, "dass aber jede andere Spritze auch verpflichtet sei, dieselben zu schützen". Sollten also die Außendörfer neue Spritzen beschaffen, dann sei der Schutz für die Kirche größer "da diese Spritzen eistungsfähiger sein würden". Im Januar 1895 bestätigte Barriens Gemeindevorsteher J.H. Ristedt die Übernahme von Spritze und Spritzenhaus von der Kirchengemeinde.

 

Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Gessel-Leerßen

Trotzdem sollte es noch einige Jahrzehnte dauern, bis der Königliche Ober-Präsident zu Hannover am 27. September 1901 „Muster-Statuten betreffend die Regelung des Feuerlöschwesens“ an die Gemeinden der Provinz Hannover schickte.

In 20 Paragraphen waren Zweck und Aufgaben von „Freiwilligen Feuerwehren“, Rechte und Pflichten der Mitglieder und die Einteilung und Befehlsstruktur vom Hauptmann, dessen Stellvertreter, über Zugführer, Rottführer bis zur Mannschaft, die in verschiedene „Züge“ wie beispielsweise „Sprützenzüge“ und „Steigerzüge“ gegliedert werden, festgelegt worden.

Sehr ausführlich wird auch über die Anschaffung, Verwendung und Pflege der Ausrüstung sowie über regelmäßige Übungen informiert. Offenbar rannte der Ober-Präsident mit diesem Schreiben auch in Gessel offene Türen ein. Zwar liegen uns keine schriftlichen Aufzeichnungen über die Gründung der Gesseler Wehr vor. Wir wissen aber, dass sie von folgenden sieben Gesselern gegründet wurde: Albert Brüning, Heinrich Heusmann, Fritz Siemer, Fritz Reineke, Heinrich Fröhlke, Heinrich Wülbers und Friedrich Steinforth. Erster Hauptmann war Albert Brüning, der dieses Amt bis 1905 besetzte. Ihm folgten bis 1908 Heinrich Heusmann, bis 1914 Fritz Siemer und bis 1920 Heinrich Wülbers. Er war auch der Einzige, der im Juni 1952 noch die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Wehr miterlebte.

 

Pflichtfeuerwehr in Ristedt

In Ristedt blieb es vorläufig bei einer Pflichtfeuerwehr. Aber am 1. April 1902 trat eine Polizeiverordnung in Kraft, nach der in jedem Dorf, in dem sich keine schlagkräftige Truppe auf freiwilliger Basis bildete, Pflichtfeuerwehren eingerichtet werden mussten, denen sich, abgesehen von wenigen Ausnahmen, alle ortsanwesenden Männer im Alter zwischen 17 und 55 Jahren anschließen mussten. in der Jedes Dorf wurde ferner verpflichtet, eine Feuerspritze anzuschaffen. Gleichzeitig wurden Lösch- und Rettungsmannschaften gefordert, die in vier Aufgabenbereiche unterteilt durch ständige Übungen auf einen Ernstfall vorbereitet sein mussten. Bei einer Ristedter Gemeindeausschussversammlung am 1. Februar 1902 heißt es im Protokoll: "Nach vorgängiger Verhandlung wurde mit 6 Stimmen einstimmig beschlossen: für Gemeinde Ristedt eine Feuerspritze anzuschaffen und eine Berufsfeuerwehr gegen Bezahlung aus der Gemeindekasse zu errichten."

Zwei Monate später waren die Angebote ausgewertet, so dass der Gemeindeausschuss am 6. April 1906 beschloss, "von dem Spritzenfabrikanten Tidow in Hannover die Wagenspritze No. 6 anb. betr. des Katalogs zum Preise von 1.130 M zu beziehen. Der Neubau des Spritzenhauses soll öffentlich an den Mindestfordernden verdungen werden und soll auf dem Gemeindeplatz bei Wülfers Hause No. 19 in Ristedt errichtet werden."

 

1903: Das erste Ristedter Feuerwehrgerätehaus

Am 29. März 1903 beschloss die Gemeindeversammlung einstimmig, "die Zimmerarbeiten und die Türen" am neuen Spritzenhaus dem Brinksitzer Joh. Hinners zum Preis von 130 Mark zu übertragen. Mit den Maurerarbeiten wurde der Maurer Joh. Seevers beauftragt, der dafür 80 Mark veranschlagt hatte. "Beide Teile müßen am 25. Juli fertig sein", hieß es abschließend.

Auch in Gessel stand bereits ein Spritzenhaus, das 1942 bei einem Luftangriff zerstört wurde. Es kann aber nicht sehr geräumig gewesen sein, denn die Ortskommandositzungen wurden stets in der Küche des Ortsbrandmeisters Johann Brüning abgehalten. Die bei den Übungen oder Einsätzen benutzten Schläuche wurden bei Fritz Meier zum Trocknen aufgehängt.

 

Inspektion durch den Kreis-Brandmeister

Der 1. März 1914 war für die Freiwillige Feuerwehr Gessel sicher ein aufregender Tag, denn Kreisbrandmeister Johannes Peters aus Brinkum hatte sich zu einer Inspektion angemeldet. Peters notierte in jeder Wehr, egal ob freiwillige oder Pflichtfeuerwehr, die vorhandenen Geräte und Löscheinrichtungen. Er entwickelte genaue Pläne über nachbarschaftliche Löschhilfen und erarbeitete Vorschläge für eine bessere Ausstattung der Wehren. Im Anschluss an seinen Besuch fertigte er ein Protokoll über die Zustände an, die er in den Wehren vorfand.

Die Gesseler Wehr hatte zu diesem Zeitpunkt 50 Mitglieder. Sie wurde von Heinrich Wülbers geleitet, sein Stellvertreter war Friedrich Steinforth. Am Spritzenhaus hing ein Anschlag über die Reihenfolge der Spritzengespanne, wenn über die sechs vorhandenen Alarmhörner zur Löschhilfe gerufen wurde.

Gelöscht wurde mit der 1902 angeschafften Saugund Druckspritze. Sie war damals offenbar in schlechterem Zustand als gegenwärtig, nachdem Uwe Hüneke und Heiko Radtke sie wieder hergerichtet haben, denn Peters bemängelte seinerzeit, dass an den Saugschläuchen ein Korb kaputt war und auch die insgesamt 250 Meter Druckschläuche defekt waren.

An weiteren Feuerlöschhilfen gab es in Gessel lediglich noch zwei Feuerhaken. Ausführlich untersuchte Peters die Wasserverhältnisse im Bereich des Spritzenverbandes Gessel, zu dem auch Leerßen und Schorlingkamp gehörten.

Wichtigste Wasserspender waren natürlich die Hache und der Grenzgraben zwischen Gessel und Barrien, die sogenannte „Gote“, die nach Auskunft von Peters auch genügend Wasser führten. Zusätzlich gab es in Gessel vier Feuerteiche. Einer befand sich am Spritzenhaus und war in gutem Zustand. Auch die „Notkuhlen“ bei Fritz Siemer und Seevers enthielten genügend Wasser.Dagegen empfahl der Kreisbrandmeister, die Notkuhle beim Anbauer Hüneke am Bahnübergang tiefer zu legen und die Zufahrten auszubessern.

Ferner wurde von ihm empfohlen, bei Hofbesitzer Wülbers und Anbauer Wessel in der Eichstraße Rohrbrunnen anzulegen, da die dortigen Grundwasserstände von etwa einem Meter dies zuließen. Eine weitere Notkuhle befand sich beim Anbauern Büntemeyer an der Bremen-Nienburger Chaussee, der jetzigen alten Bundesstraße 6. Dieser Bereich der Barrier Heide gehörte seinerzeit noch zur Gemeinde Gessel. Da von dort aus jedoch auch Löschwasser für die benachbarten Häuser, die schon zu Barrien gehörten, gefördert werden konnte, gab Peters den Rat, diese Notkuhle von den Gemeinden Barrien und Gessel gemeinsam zu unterhalten und in Ordnung zu bringen.

Problematischer war die Wasserversorgung natürlich in Leerßen und Schorlingkamp, wo erst in etwa 30 Metern Tiefe Grundwasser vorhanden war. Die sechs Feuerteiche, jeweils zwei bei Hofbesitzer Evers und Brinksitzer Mohrmann sowie bei Meyer 28 und Anbauer Ruge, enthielten nur Regenwasser. Ebenso die beiden Feuerteiche in Nieder-Leerßen.

Alle Feuerteiche befanden sich in gutem Zustand und waren sicher erreichbar. „Es ist jedoch Gefahr vorhanden, daß die Sammelbecken bei unausreichendem Wasserstand austrocknen“, fügte der besorgte Kreisbrandmeister hinzu. Ein Tieferlegen der Feuerteiche sei jedoch nicht ratsam, denn dabei könnte eventuell die abdichtende Lehmschicht am Grund der Teiche durchstoßen werden, so dass das vorhandene Wasser in den sandigen Untergrund versickern könnte. Vielmehr machte er den Vorschlag, in die Feuerteiche Bassins zu mauern, in denen sich im Notfall auch das Restwasser noch sammeln könnte.

In Ristedt fasste er sich nach seinem Besuch am 1. Juli 1917 wesentlich kürzer. Da heißt es nur: „Ristedt-Sörhaussen – Pflichtfeuerwehr . Feuermeldestellen: 2 Signalhörner, 3 Alarmhupen. 1 Saug- und Druckspritze mit 100 mm und mehr Cylinderweite, 210 m Druckschläuche (150 m mit Verschraubungen - 60 m mit Normalkupplungen), 1 Übergangsstück und 10 Schlauchbinden, 1 Rohrbrunnen. 480 Mark im Voranschlag für Neuanschaffungen und Verbesserungen".

 

Die alten Spritzen

Wir entnehmen dem Bericht des damaligen Kreisbrandmeisters, dass sowohl Ristedt als auch Gessel bereits mit Druckspitzen ausgestattet waren. Und das Schöne daran ist, dass beide noch erhalten sind. Sie sind sogar noch so gut erhalten, dass beide Feuerwehren ihnen einen eigenen Raum bauten, in dem sie der Öffentlichkeit präsentiert wurden.

Wenn die erzählen könnten, dann würden sie leider von zahlreichen Einsätzen berichten, bei denen sie segensreiche Hilfe leisten mussten. Sie würden aber sicher lieber von den vielen anderen Erlebnissen erzählen, die sie in den vergangenen 100 Jahren gemeinsam mit unseren Aktiven erlebt haben. Unglaubliche „Storys“ wären das, und vielleicht ist es gut, dass sie schweigen.

Die Pflege der Gesseler Handdruckspritze hatte Johann Rendigs übernommen. Rendigs war Lokführer, und nach Erinnerung alter Feuerwehrkameraden putzte und wienerte er an der alten Spritze aus beruflicher Gewohnheit ständig herum. Kurzerhand beförderte Johann Brüning ihn zum Maschinisten. Fest steht aber, dass die guten alten Spritzen hervorragende Dienste taten. Sie wurden nicht nur in Gessel und Ristedt eingesetzt, sondern leisteten selbstverständlich auch in den Nachbargemeinden Löschhilfen. In der Syker Zeitung wurde am 7. Juli 1931 in einem Bericht über eine Löschübung die Leistungen der Gesseler Spritze gewürdigt, „die pro Minute 1000 Liter Wasser schleudert und über Verteiler bis zu drei gesonderte Schlauchleitungen mit Wasser versorgt, so daß ein Brandobjekt von allen Seiten bekämpft und auch bedrohte Nachbargebäude unter Schutz genommen werden können“.

Außerdem schaffte die Gemeinde Gessel 1941 eine neue „Koebe“-Spritze an, die 1200 Liter Wasser beförderte. Allerdings durfte sie nie voll aufgedreht werden, weil der starke Druck dann sofort die alten Schläuche gefährdete und sie platzen ließ. Dieses gute alte Stück hat Horst Vossel inzwischen restauriert, und sie erhielt ebenfalls im neuen Spritzenhaus einen Ehrenplatz.

Im Frühjahr 1942 fielen in Gessel Luftminen, durch die mehrere Häuser abgedeckt wurden, obgleich die meisten nahe der Hache aufschlugen. Dadurch wurde auch das Feuerwehrgerätehaus zerstört. Die Spritze und der ebenfalls darin untergestellte Leichenwagen wurden jedoch gerettet. Maschinist Heinrich Siemer und Ortsbrandmeister Johann Brüning sorgten dafür, dass diese beiden Geräte zunächst bei Fesenfeld und später bei Kops untergestellt werden konnten.

Auch die Ristedter Feuerwehr rüstete auf. Im September 1928 beschloss der Gemeindeausschuss "Die von der Gemeinde angeschafften Minimax-Apparate sollen wie folgt untergebracht werden:

Von den 5 Apparaten kommen 2 nach Sörhausen und 3 verbleiben in Ristedt, die nach Sörhausen werden untergebracht bei Heinr. Klocke u. J.H. Kattau und die in Ristedt verbleibenden erhalten Freers No 17, Kloke No 3 und Wendt No 29."

Es waren aber wohl nicht die ersten Apparate dieser Baureihe, denn beim Brand des Gasthauses Bramstedt kamen 1923 schon solche Geräte zum Einsatz. Außerdem gibt es eine an H. Kammann gerichtete Rechnung der "Minimax-AG" über "1 Reservefüllung, 1 Alarmhupe, 1 Stationsschild kostenlos. Die Sendung ging wunschgemäß an Herrn Wienberg, Ristedt Nr. 4 und bitten wir Sie höfl., sich dieselbe von dort abholen zu lassen". Der Gesamtbetrag lautete auf 10,80 Mark.

 

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Ristedt.

Am 1. Januar 1934 trat in Preußen das "Gesetz über das Feuerlöschwesen" in Kraft. Von jetzt an hatte jede Gemeinde selbst für ausreichenden Feuerschutz zu sorgen.

Über den Verlauf der Gründungsversammlung berichtet das erste Protokoll im Protokollbuch der Freiwilligen Feuerwehr Ristedt.

"Die Gründungsversammlung der freiwilligen Feuerwehr Ristedt fand am 9. Juli 1934 in Wendt`s Gasthaus in Ristedt statt. Nachdem ein neues Gesetz über das Feuerlöschwesen herausgekommen war, wurde auch in Ristedt zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr geschritten. Die hierzu einberufene Versammlung wurde von dem Gemeindeschulzen Ehlers eröffnet. Dieser gab nach ein paar Begrüßungsworten dem Kreisbrandmeister Lahrs Lahausen das Wort. Der Kreisbrandmeister hielt nun eine längere Ansprache über den Sinn und Zweck der Feuerwehren. Lahrs wies in seiner Botschaft darauf hin, dass es künftig keine Klassenunterschiede mehr in der Wehr gebe. "Hier steht der Bauer in Reih und Glied mit dem Arbeiter, dem Handwerker und Beamten. Den Fundamentalsatz (...) "Gemeinnutz geht vor Eigennutz" hat die Feuerwehr schon stets zu Ehren gebracht und in die Tat umgesetzt".

Als nun die Finanzierung der Ausrüstungssachen geregelt war, wurde die Gründung der Feuerwehr vorgenommen. Es ließen sich darauf folgende Mitglieder in die Wehr eintragen:

Heinrich Bruns - Fritz Bolte - Heino Brüggemann - Heinrich Bischoff - Heinrich Blankenhagen - Albert Bode - Johann Clausen - Hermann Cordes - Johann Diedrichs - Bernhard Einemann - Heinrich Evers - Heinrich Freers - Johann Hinners - Johann Heins - Dietrich Iden - Dietrich Jakob - Heinrich Kastens - Johann Kastens - Johann Lankenau - Heinrich Müller - Fritz Meyer - Friedrich Nolte - Heinrich Nesemann - Johann Plate - Johann Schweers - Hermann Schierloh - Heinrich Siegmann - Ernst Wendt - Dietrich Wienberg aus Ristedt - Johann Kattau - Johann Kloke - Dietrich Kothrade - Albert Strohmeyer - Wilhelm Wagenfeld aus Sörhausen.

Nun wurden noch Vorschläge gemacht, wer als Führer der Wehr in Frage kommt, diese werden dann von dem Kreisbrandmeister bestimmt. Darauf wurde noch mit Vertretern verschiedener Ausrüstungsfirmen verhandelt, und dann vom Gemeindeschulzen die Versammlung geschloßen".

 

Das erste Ristedter Ortskommando

Der erste Ristedter Ortsbrandmeister wurde also nicht von den Mitgliedern gewählt, sie durften nur Vorschläge machen. Drei Monate ließ man sich Zeit mit der Entscheidung.

Welche Vorschläge die Mitglieder machten, ist uns nicht überliefert, aber wir können uns die Spannung im Dorf vorstellen, als zur nächsten Feuerwehrversammlung eingeladen wurde.

Darüber und über die weiteren Aktionen berichtet das Protokollbuch:

"Am 10. Oktober wurden die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr zu einer Versammlung nach Wendt`s Gasthaus gerufen. Hier eröffnete der Gemeindevorsteher Ehlers die Versammlung und gab dem Kreisbrandmeister Lahrs Lahausen das Wort. Nachdem dieser eine kleine Ansprache gehalten hatte, unterschrieben sämtliche Mittglieder eine Verpflichtungserklärung. Darauf gab der Kreisbrandmeister den von ihm kommissarisch eingesetzten Vorstand bekannt.

Es sind dies: als Brandmeister Johann Clausen, als dessen Stellvertreter und I. Löschmeister Heinrich Kastens, als II. Löschmeister Wilhelm Wagenfeld, als III. Löschmeister Dietrich Jakob, als Oberfeuerwehrmann und Gerätewart Johann Diedrichs, als Oberfeuerwehrmann und Kommandooffzier Hinrich Evers, als Oberfeuerwehrmann und Schriftführer Diedrich Kothrade, ferner als Oberfeuerwehrmänner Heinrich Freers, Dietrich Wienberg und Friedrich Nolte. Als Steiger wurden bestimmt Hermann Schierloh, Fritz Meyer, Johann Lankenau, Johann Kastens, Dietrich Iden und Heinrich Blankenhagen, als Sanitäter Albert Bode und Johann Heins. Die Lieferung der Uniformen und Ausrüstung wurde der Firma A. Domeyer, Bremen, übergeben, und von einem Schneider dieser Firma sämtlichen Mittgliedern Maß genommen.

Darauf wurde die Versammlung vom Brandmeister geschlossen".

 

 Die Freiwillige Feuerwehr Ristedt nimmt ihren Dienst auf.

Mit welchen Problemen sich das Ortskommando zu Beginn beschäftigte und wie die Arbeit in der Wehr anlief, berichten uns die Aufzeichnungen im Protokollbuch. Weitere Hinweise sind leider nicht mehr vorhanden, aber diese Auszüge lassen uns ahnen, was damals los war:

"Am 25. Oktober 1934 versammelten sich die Mittglieder der freiw. Feuerwehr bei Wendt und wurde ihnen von der Firma A. Domeyer ihre Uniformen und Ausrüstung übergeben. Nach dem Kommando "Antreten" konnte sich ein jeder über Fehler an seiner Uniform melden. Diese wurden dann abgeändert“.

 

Feuerlöschhilfe aus Syke

Mitte 1931 wurde vom Landkreis Syke in Zusammenarbeit mit den Freiwilligen Feuerwehren ein Konzept der nachbarschaftlichen Löschhilfen erarbeitet. Darin waren neben den Fuhrprämien für Handdruckspritzen und Entschädigungen für Kraftspritzen auch die Bereiche festgelegt, in denen die Wehren im Brandfalle unaufgefordert oder auch auf Anforderung Löschhilfe zu leisten hatten.

Da die Syker Wehr zu diesem Zeitpunkt bereits über eine Kraftspritze verfügte, erhielt auch sie die Aufforderung, in den Nachbargemeinden Hilfe zu leisten.

Ein Syker Geschäftsmann hatte an seinen Lieferwagen eine Kupplung anbringen lassen und ihn der Wehr zur Verfügung gestellt. Zunächst wurden in mehreren Übungen die Nachbargemeinden befahren und an den Wasserentnahmestellen geprobt. „Die Übungen verliefen in zufrieden-stellender Weise“, heißt es.

Die Gemeinden wurden in dieser Richtlinie dazu aufgefordert, die Wasserstellen in Ordnung zu halten und dafür zu sorgen, dass diese auch durch die Kraftspritzen erreichbar waren.

Außerdem wird in dieser Richtlinie ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ein „telephonischer Anruf im Brandfalle sehr viel Zeit sparen und damit viel Unheilverhüten“ kann.

 

Vorkriegsjahre

In den letzten Jahren vor dem Krieg wurde die Organisation des Feuerwehrwesens neu geregelt. Die Entwicklung der Wehren wurde beschleunigt. Die Anzahl der Übungen steigerte sich, es gab Luftschutzübungen, und ganz allmählich wurden Wehr und Bevölkerung auf Gefahren vorbereitet, die den Menschen bei einem Krieg auch weit hinter der Front drohten.

Als dann der Krieg begann, bekamen sehr viele Freiwillige Feuerwehren Personalprobleme, weil zahlreiche Aktive eingezogen wurden. Auch viele junge Gesseler mussten ausrücken, doch die Wehr blieb schlagkräftig, weil sich hier zahlreiche Mitarbeiter der Reichsbahn angesiedelt hatten. Sie sorgten zumindest in den ersten Kriegsjahren dafür, dass noch ein gewisser Brandschutz in Gessel bestand.

 

Kriegsjahre

Einen ersten Eindruck vom Krieg erhielt die Zivilbevölkerung in Gessel am 1. Januar 1941, als über dem Dorf Stabbrandbomben abgeworfen wurden und fünf Scheunen und das Wohnhaus von Heinrich Wülbers (jetzt Fritz Meier) abbrannten. Der schwerste Luftangriff traf Gessel am 5. September 1942. Trotzdem war der Luftterror in den Großstädten wesentlich größer, denn sie waren schließlich die eigentlichen Ziele der Bomberverbände. Deshalb waren unsere Wehren verpflichtet, in Bremen und sogar in Hannover zu helfen.

Die Ristedter Feuerwehr musste Im August 1940 die Forst Hülsenberg nach Brandplättchen absuchen, die Feindflieger dort abgeworfen hatten. An der Aktion beteiligten sich auch die Wehren aus Nordwohlde und Fahrenhorst sowie die Schulen der Umgebung.

"Da der Krieg immer mehr Kameraden unter die Waffen rief, musste die Wehr neue Kameraden aufnehmen und ausbilden, damit der Bestand von 34 Mann zu einer Handspritze immer vollzählig blieb", heißt es im Ristedter Protokoll, und in Gessel wird es nicht anders gewesen sein.

Aber die Kameraden wurden nicht nur zu den Waffen gerufen, sie starben auch im Krieg. Insgesamt ließen 32 Männer aus Ristedt und Sörhausen im Krieg ihr Leben.

Auch das Leben in der Heimat war gefährlich geworden. Immer wieder überquerten auf dem Weg nach Bremen feindliche Bomberverbände unsere Dörfer. Wenn das Abwehrfeuer eine Maschine getroffen hatte, lud diese ihre Bombenfracht sofort ab und versuchte unverzüglich, noch den Heimatflugplatz zu erreichen. Dann hagelte es Brand- und Sprengbomben. Ende Juli 1943 erhielt die Ristedter Wehr eine Motorspritze, und ließ 1944 nahe dem Denkmal eine Zisterne und bei Nolte Nr. 36 sowie bei der Molkerei je einen Bohrbrunnen anlegen.

 

Erinnerungen

Diese trockenen Zeilen aus Protokollen zeichnen nur ein unvollständiges Bild der damaligen Verhältnisse. Zum Glück hat sich unser Kamerad Heinrich Einemann die Mühe gemacht, seine Erlebnisse und Eindrücke aus den Kriegsjahren aufzuschreiben. Auch Grete Thalmann erlebte in Gessel Schreckensmomente und berichtete darüber. Ihnen sei Dank dafür, dass ihre Erinnerungen als Mahnung an eine schreckliche Zeit erhalten blieben.

 

Heinrich Einemann erinnert sich an die Kriegsjahre 1939 bis 1945

Bis zu diesem Zeitpunkt war in Ristedt alles in Harmonie verlaufen. Mit Beginn des Krieges am 1.9.1939 kamen dann erhebliche Störungen auf. Für uns, damals noch Kinder, fiel das Schützenfest aus. Viele junge Männer wurden zum Kriegsdienst eingezogen, wovon viele nicht zurückkehrten. Das erste Kriegsopfer in unserem Dorf war Junglehrer Harald Funke, der am 5. Juni 1940 in Frankreich gefallen ist. Die Zahl der Gefallenen bzw. in Kriegsgefangenschaft Gestorbenen erhöhte sich am Ende auf 32 von 800 Einwohnern.

Einem Einberufungsbefehl zur Wehrmacht musste unbedingt Folge geleistet werden; dieses wurde August K. aus Gessel Anfang des Krieges zum Verhängnis. Er und auch seine Mutter gehörten der Glaubensgemeinschaft "Zeugen Jehovas" an.

Herr K. wurde zur Wehrmacht eingezogen, wollte den Eid auf den Führer Adolf Hitler aber nicht ablegen. Herr K. wurde zunächst entlassen. Ihm wurde eine Bedenkzeit eingeräumt. Nach einem halben Jahr folgte die erneute Einberufung. Da Herr K. seine Meinung nicht geändert hatte, verweigerte er abermals den Eid. Danach wurde er standrechtlich erschossen; seine Mutter ins Konzentrationslager abgeführt. Frau K. hat das überlebt und konnte nach dem Kriege zu ihrem Sohn Hermann K. in Gessel zurückkehren.

Durch die Nähe zur Großstadt Bremen waren wir besonders negativ beeinflusst. Im Bereich der Gemeinde gab es zwei Scheinwerferstellungen. Von der Stellung hinter Dieckmann ist mir bekannt, dass diese in den ersten Kriegsjahren ordnungsgemäß von Soldaten besetzt war. Später, etwa 1943, wurde das Mannschaftspersonal durch Soldatinnen ersetzt. Ab 1944 wurden aus dem Ort die Mannschaftsdienstgrade von Senioren aus dem Dorf verpflichtet, die mit Uniform ausgestattet jeweils abends ihren Dienst antreten mussten. Im Raum Eggese- Heiligenrode gab es 4 Flakbatterien mit 8.8 Kanonen. Die mit den Jahren stark zunehmenden Luftangriffe haben eine ganz
besondere Störung im Leben unseres Ortes bewirkt.

Die feindlichen Flugzeuge kamen in der ersten Zeit überwiegend nachts, später ganztägig.

Die schulische Versorgung unserer Volksschule führte durch den Einzug des letzten Lehrers, Herrn Rasch, zu einer Zusammenlegung der Volksschule Ristedt mit der Volksschule Leerßen. Der Leerßer Lehrer, Herr Hachmeister, war kein Mitglied der NSDAP.

Wir wurden morgens mit "Guten Morgen" und nicht, wie von der Regierung gewünscht, mit "Heil Hitler" begrüßt. Herr Hachmeister hatte einen Kompromiss so eingerichtet, dass der Schuldienst an drei Tagen in Ristedt und drei Tage in Leerßen abgehalten wurde, aber weil viele Kinder im Krieg kein betriebsfähiges Fahrrad hatten, mussten diese Wege oft zu Fuß erledigt werden. Es kam immer hinzu, dass bei Fliegeralarm der Unterricht beendet wurde, so dass es oft nur kurze Zeit Unterricht gab. Natürlich ein Nachteil für die Bildung der Schüler.

Auf dem Ristedter Schulhof wurde in der ehemaligen Scheune, die schon Jahre vorher als Turnhalle umgebaut wurde, ein Gefangenenlager für Kriegsgefangene eingerichtet. Zunächst waren es Franzosen, später Serben und dann Russen. Der angebaute Bühnenteil wurde als Aufenthalt für die Wachposten genutzt.

Die Gefangenen mussten auf den Bauernhöfen arbeiten und abends wieder ins Lager kommen. Die Verpflegung der Wachposten war so geregelt, dass diese im Wechsel ihre Mittagsmahlzeit bei den Bauern einnahmen.

Im Laufe des Krieges ist in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1943 über Ristedt ein viermotoriges Flugzeug durch Nachtjäger abgeschossen worden, welches dann auf einer Wiese am Heudamm abstürzte, ein weiteres in der Nähe des Bradenholzes. Aus dem Flugzeug, welches hier am Heudamm zu Boden ging und dort in hellen Flammen stand, gab es laufend Explosionen von der an Bord befindlichen Munition. Noch während der Nacht kam der Pilot des Nachtjägers, der dieses Flugzeug abgeschossen hatte, zur Absturzstelle. Alle Besatzungsmitglieder sind in dem Flugzeug verbrannt, bis auf einen, der offenbar aus dem Flugzeug geschleudert wurde und ca. 200 m entfernt auf einer Wiese lag, aber dieses auch nicht überlebte, mit dem Unterschied, dass er nicht verbrannt war. Von einer Abordnung des Fliegerhorstes (Diepholz oder Vechta) wurde dann an den folgenden Tagen eine Aufarbeitung vorgenommen. Alle stark verkohlten Leichen wurden ordnungsgemäß in Särge gelegt und von dem Personal mitgenommen. Die nicht brandgeschädigte Leiche wurde genauer untersucht, indem man den Anzug aufschlitzte und aus den eingenähten Verstecken erhebliche Mengen an Bargeld verschiedener Währungen sowie zu dieser Zeit für das Überleben wichtige Lebensmittelkarten entnommen hat. Der noch unbeschädigte Anzug des Fliegers war aus Leder mit einer starken Schaffellpolsterung. Auch die Wrackteile wurden von der Kolonne abgefahren.

Ein Brandbombenteppichabwurf ca. Juli 1942 verfehlte zum Glück unser Dorf, dieser ging im Moor nieder. Hier in Ristedt hatten lediglich die in der Randlage des Ortes gelegenen Höfe kleine Löscharbeiten zu verrichten, um die Gebäude zu retten. Es wurden dabei keine größeren Schäden angerichtet.

Lediglich die Phosphorbomben machten auch auf den Weiden im Moor Schwierigkeiten, weil die explodierten Bomben eine kautschukartige Masse verspritzt hatten, die bei Wärme sich am Tage bei Sonnenschein wieder entzündete. Das gleiche hatte zuvor in Barrien und Kirchseelte zu massiven Schäden durch Abbrennen mehrerer Höfe geführt.

Außer diesen Brandbomben sind auch Sprengbomben hier im Ort abgeworfen worden. Eine im Sommer 1940 bei Einemann, es waren starke Schäden am Haus Einemann und auch die Nachbarhäuser hatten noch Schäden. 5 Sprengbomben fielen in die Weide bei Nolte 27 in Ristedt (heute Kloth). Auch auf die Weide von Lehmkuhl fielen mehrere Sprengbomben am Tage. Ein dort tätiger russischer Gefangener hatte sich auf den Boden gelegt, als eine dieser Sprengbomben 10 m neben ihm einschlug: Er blieb aber unverletzt.

Ins Waldgrundstück von W. Lehmkuhl am Rande des Bradenholzes ist eine Luftmine gefallen. Die Luftmine hatte im Umkreis von 100 m alle dort stehenden Bäume zerrissen. Ein Bild wie ein Trichter in der Mitte kurz über dem Erdboden, dann in der Länge langsam ansteigend.

Dieses war die eine Seite, auf der anderen Seite kam die mangelhafte Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, vor allem bei den Nichtlandwirten (Landwirte wurden als Selbstversorger eingestuft). Es gab Lebensmittelkarten, die einen begrenzten Kauf von Lebensmitteln gewährleisteten.

Viele andere Bedarfsartikel waren nur auf Bezugsschein zu bekommen, zum Beispiel: Schuhe, Kleidung, Brennmaterial usw. Die Bezugsscheine mussten bei der Gemeindeverwaltung beantragt werden, welches auch nur teilweise genehmigt wurde. Es ist hier zwar keiner verhungert, aber an Übergewicht hat auch keiner gelitten. Bei den Landwirten wurde die Abgabe von Getreide und anderen Produkten staatlich geregelt. Der Kauf von Kunstdünger war nur sehr eingeschränkt möglich, so dass die Erträge von den Äckern nur sehr mäßig ausfielen.

Um bei der Ernährung zu bleiben ist es auch wichtig einmal zu sagen, wie stark die Stadtbevölkerung darunter gelitten hat. Täglich kamen Frauen aus Bremen, um bei den Landwirten auf den Dörfern Essbares (Kartoffeln, Steckrüben, Eier, Speckschwarten) gegen Sachpreise zu tauschen, um den Hunger zu stillen. Diese Personen, die man kurzum "Hamsterer" nannte, haben dies manchmal unter Lebensgefahr getan, denn zum Ende des Krieges wurden die Züge und Busse, mit denen sie aus der Stadt aufs Land kamen, von feindlichen Tieffliegern beschossen.

Ich kann mich genau daran erinnern, wenn wir zum Konfirmationsunterricht nach Barrien fuhren, dass von dem so genannten "Volkssturm", dazu hatte man die älteren Herren in den Orten dienstverpflichtet, vor der Holzbrücke der Hache bei der Wassermühle eine so genannte Panzersperre aufgebaut wurde. Diese Panzersperre bestand aus Kiefernstämmen, die auf einer Fläche von 1,5 m² etwa 1,5 m aus dem Boden ragend, in die Erde eingegraben waren. Die Durchfahrt war so schmal gehalten, dass dort kein Panzer durchpasste. Sicher ein sinnloses Unterfangen.“

 

Grete Thalmann erinnert sich an den 5. September 1942

Schon häufiger hatte es in Gessel Fliegeralarm gegeben. Zwar stand nicht Gessel sondern Bremen auf den Zielplänen der alliierten Luftflotte, aber Bremen war zumindest in den ersten Kriegsjahren durch Flakbatterien recht wirksam geschützt. So manches Bombenflugzeug wurde abgeschossen, andere erhielten Treffer und warfen ihre tödliche Ladung irgendwo ab, um sich von der schweren Last befreit möglicherweise noch zum heimtalichen Fliegerhorst zu retten.

So gingen am 1. Januar 1941 bereits einige Stabbrandbomben nieder und vernichteten 5 Scheunen und das Wohnhaus von Heinrich Wülbers. Anschließend wurden auch noch Sprengbomben abgeworfen. Bei einem Angriff mit Luftminen im Jahr 1942 wurden Häuser abgedeckt, darunter auch das Gerätehaus. Die Spritze und der darin ebenfalls untergestellte Leichenwagen konnten jedoch gerettet werden.

Die Gesseler Bevölkerung suchte bei Fliegeralarm die Keller auf. Da jedoch nicht alle Häuser über einen sicheren Keller, geschweige denn über einen Luftschutzbunker verfügten, besuchten sich einige Einwohner gegenseitig und warteten gemeinsam angsterfüllt die Wellen der feindlichen Bomberflugzeuge auf ihrem Weg nach Bremen ab.

Anna Gießel, die zu dieser Zeit schwanger war, besuchte in Begleitung ihrer beiden Kinder bei Fliegeralarm Thalmanns, ihre Nachbarn, weil Opa Heinrich Thalmann das Haus nicht gern verließ. Sie wohnte in einem Haus neben der „Gote“, einem Häuslingshaus, das zum Hof Wickbrand gehörte. Dieses Haus wurde im Juli 1942 durch Brandbomben eingeäschert, als ihr Ehemann Heinrich Gießel in Rendsburg stationiert war.

Von da ab wohnte die schwangere Frau mit ihren beiden Kindern auf dem Hof Thalmann.

Am 5. September 1942 ertönten gegen 15.30 Uhr wieder die Sirenen. Luftalarm ! Viele Gesseler trafen sich bei Webers im Keller, Thalmanns und Gießels hatten ihren eigenen Keller aufgesucht, als eine Brandbombe das Haus traf. Da der Angriff fortdauerte, verließen die Nachbarn Webers Keller nicht sofort. Grete Thalmann hält das für ein großes Glück, denn kurze Zeit später traf eine Luftmine das brennende Haus. Die einstürzenden Mauern begruben Margarete Thalmann, Anna Gießel und zwei Kinder, von denen eines zunächst noch geborgen werden konnte, das aber kurz darauf im Haus das Nachbarn Kleemeyer verstarb.

Grete Thalmann konnte sich vor dem Feuer retten und rannte zu Kaufmann Heinrich Kleemeyer. Sie hatte schwere Verbrennungen erlitten, spürte davon jedoch zunächst nichts. Das schreckliche Ereignis, das Chaos und das Durcheinander erlebte sie wie in Trance; noch heute kann sie sich nur an wenige Einzelheiten erinnern.

Sie weiß noch, dass kein Vieh zu Schaden gekommen war. Die Pferde konnten gerettet und bei Drewes im Stall untergebracht werden. Die Kühe standen noch auf der Weide, lediglich zwei von ihnen waren angesengt. Vom Haus standen nur noch der Wagenschuppen, das Backhaus und der Hühnerstall. Zunächst wurde der Stall notdürftig wiederhergestellt, und darin richtete die Familie fünf provisorische Räume ein.

 

Der Krieg ist vorbei

In der Leerßer Schulchronik wird das Kriegsende folgendermaßen dargestellt: „Am 8.4.45 Vorpostengefecht zwischen Leerßen, Ristedt und Sörhausen. Die Funkstation auf dem Hohen Berg wird von der Besatzung gesprengt. Vier englische Panzer kommen von Syke über den Heidberg und gehen bei Hermann Uhlenwinkel, 36, in Stellung und eröffnen das Feuer auf die Funkstation. Drei Besatzungsmitglieder der Funkstation werden getötet, einer ergibt sich den Engländern. Am 9.4.45 fahren englische Panzer südlich der Leerßer Schule vor. Deutsche Infanterie und Artillerie verteidigen sich in den Häusern Nr. 31 und 32, im Hoskamp und auf dem Hülsenberg. Beiderseitiges heftiges Maschinengewehr. Haus 10a neben Schorlingkamp brennt nieder, Häuser 3,4,5,10,12, und 29 beschädigt.“ Nachdem im April 1945 die Engländer durch unser Dorf marschiert waren, war hier der Krieg vorbei. Zwar wurden in der Barrier Heide und in Leerßen noch die Bewohner ausquartiert, weil in den Leesterheid`schen Fuhren und im Bereich Ristedt-Sörhausen noch Widerstand geleistet wurde, doch diese Evakuierung beschränkte sich auf zwei Tage, dann zog sich die Frontlinie noch enger um Bremen zusammen, die Kämpfe verlagerten sich nach Brinkum und Dreye. Den Rauch der dort brennenden Häuser und Höfe konnte man hier gut sehen, aber helfen konnten wir den armen Leuten mit unserer Spritze nicht mehr.

Zunächst wurden natürlich alle Vereine und Organisationen verboten, aber die Freiwilligen Feuerwehren blieben davon weitgehend verschont, ihre Mithilfe war weiterhin gefragt.

Allerdings blieb unsere Mithilfe auf Brandeinsätze beschränkt. Gegen Plünderer und Diebe durften wir nicht eingreifen. Das hatte natürlich Folgen. Darüber berichtet die Leerßer Schulchronik ebenfalls, und ältere Einwohner können sich noch lebhaft an das grausige Geschehen jener Tage erinnern. „In der Nacht vom 2. zum 3.1.1946 überfielen Plünderer das Gehöft des Bauern Holle, Leerßen 2. Sie drangen durch den Stall in das Wohnhaus, während draußen alle Türen und Fenster mit Wachen umstellt wurden, und fingen an zu plündern. Als Holle von dem Lärm erwachte und das Kammerfenster öffnete, wurde ihm ein tödlicher Schlag vor dem Kopf versetzt. Anschließend erhielt er noch einige Messerstiche. Der Sohn Dietrich ließ sich an einem Strick herunter und eilte zum Bürgermeister, um die englische Polizei zu alarmieren. Sie kam auch sehr bald, aber die Bande war schon weg und spurlos verschwunden.“

 

Allmählich beruhigt sich die Lage

Es waren schlimme Monate. Es wurde gestohlen, geplündert, gehamstert und geschoben. Für viele war es die einzige Möglichkeit, wenigstens das Nötigste zu erwerben, aber auf der Strecke blieben damals jene Menschen, die dabei nicht mithalten konnten: Die Alten, die Kinder und alle, die Werte wie Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Mitmenschlichkeit und Solidarität nicht aufzugeben bereit waren.

Viele von ihnen überstanden die ersten Nachkriegsjahre in bedrückenden Verhältnissen, viele verzweifelten und waren für ihr späteres Leben geprägt.

Hinzu kam, dass auch die dörfliche Ordnung durcheinander geraten war. Fremde Menschen lebten plötzlich mitten unter uns. Sie waren aus Städten ausgebombt und aus ihrer Heimat vertrieben worden. Nicht allen fiel es leicht, ihnen freiwillig zu helfen. Der Druck der Besatzungsmacht, diesen Flüchtlingen Wohnraum abzugeben, verstärkte bei vielen die Abneigung gegen die Fremden nur noch. Wie gerne wären diese heimgekehrt, dorthin, wo ihre Heimat war, wo sie ihre Häuser und Höfe hatten, und ihr Heimweh wurde nicht geringer, wenn sie spürten, wie unwillkommen sie bei uns waren, wie viel Misstrauen ihnen entgegengebracht wurde.

Viele zogen dann auch wieder fort. Sie konnten in die Städte zurückkehren, andere wanderten nach Kanada und Australien aus. Aber es gab auch viele, die bei uns blieben und sich um eine Integration bemühten. Inzwischen ist diese Integration längst vollzogen und längst ist klar, dass sie durch ihre anderen Sitten und Gebräuche, durch ihre Persönlichkeit und ihr Engagement sehr viel Positives bei uns bewirkten. Aber es dauerte eben seine Zeit.

 

Nachkriegszeit

Im Protokollbuch der Ristedter Feuerwehr fehlen leider einige Seiten, die uns Hinweise über die Zeit zwischen 1945 und 1956 geben könnten. Niemand weiß, wo die Aufzeichnungen über diesen Zeitraum geblieben sind. Daher sind wir, was diesen Zeitraum betrifft, auf persönliche Erinnerungen oder Zeitungsberichte angewiesen. Aber es müssen aufregende Jahre gewesen sein, in denen improvisiert und organisiert werden musste. Beispiele dafür kennen wir aus den Aufzeichnungen der Gesseler Wehr und aus den Erinnerungen einzelner Mitglieder.

 

Der Gesseler Jeep

Für die Gesseler Feuerwehr brachte die Nachkriegszeit eine spürbare Verbesserung, weil der spätere Kreisbrandmeister Heinz Sievers der Wehr einen Jeep vermittelte. Jetzt konnte die Spritze auf einen Anhänger verladen und an den Jeep gekuppelt werden. Sogar Schlauchhaspeln waren auf dem Hänger montiert.

Aber mit dem Jeep konnte nicht jeder fahren, denn er hatte seine Macken. Vor dem Anlassen musste „getippt“ werden. Tippte man zu wenig, sprang er nicht an, tippte man zu viel, sprang er auch nicht an. Daraus entstand in Gessel folgende „Dienstanweisung“: Wenn es brennt und der Jeep springt nicht an, dann springt der auch nicht an. Dann hilft nur noch, den Brand „auspinkeln“.

Sicherheitshalber wurde der Jeep jeden Sonntag bewegt. Damit er im Winter nicht einfror, wurde er geheizt, wobei über einen Extra-Zähler der Strom bei Stubbe abgezapft werden durfte.

Aber wenn der Jeep lief, dann bewies er, wie kraftvoll er war. Er verfügte sogar über Allradantrieb, verbrauchte aber locker seine 25 Liter.

 

Mitgliederwerbung

Um die Nachwuchswerbung machte man sich auch damals schon Gedanken. Allerdings dachte man seinerzeit noch nicht an die Gründung einer Jugendfeuerwehr. Mitglieder wurden ganz anders geworben.

Fritz Meier und Heinrich Heusmann erinnerten sich noch genau daran, wie sie 1948 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr wurden.

Am 1. Januar 1948 brannte es auf dem Hof Heusmann (jetzt Hinrichs) in „Schöttelkamp“. Natürlich leisteten dabei nicht nur die Mitglieder der Wehr, sondern alle Einwohner tatkräftige Hilfe, darunter auch Johann Wagenfeld, Albert Brüning, Fredi Urbrock, Fritz Meier und Johann Heusmann. Und als der Einsatz beendet war, erklärte ihnen der damalige Ortsbrandmeister Johann Heusmann: „Von vondaage an sind ji inne Füerwehr“. Und dabei blieb es.

 

Das neue Spritzenhaus

Natürlich brauchte die Wehr ein neues Gerätehaus. Im Mai 1949 wurde der „Baumeister“ D. Rippe aus Syke beauftragt, mit der Planung zu beginnen. In seiner an die Gemeindeverwaltung Gessel-Leerßen gerichteten Baubeschreibung heißt es: „Für die Unterstellung der gemeindeeigenen Löschfahrzeuge soll ein Spritzenhaus erstellt werden. Die Umfassungen sind als 30 cm Ziegelmauerwerk vorgesehen, die Rohbausteine außen im Zementmörtel verfugt und innen mit glattem Wandputz. Auf der Balkenlage soll über dem Einschub ein durchgehender Lehmschlag aufgebracht werden. Das allseitig abgewalmte Dach soll mit naturroten Hohlpfannen eingedeckt werden. Der Spritzenraum soll einen Betonfußboden erhalten. Das Gebäude soll 3 Meter von der Straßenfront zu rückgesetzt werden, in Flucht der vorhandenen nachbarlichen Scheune, so daß die störungsfreie Ein- und Ausfahrt jederzeit gegeben ist.

 

Baukostenermittlung:

Bebaute Fläche: 9,oo . 6,oo m = 54 Quadratmeter – Höhe: 3,20 m.

Umbauter Raum: 54,oo . 3,20 = rd. 173 Kubikmeter

Demnach: 173 Kubikmeter je DM 25,oo = schätzungs- weise Baukosten: DM rd. 4.500,-“

Den Bau führte die Gesseler Firma Nahlik aus, und als knapp ein Jahr später der Ausgaben-Nachweis verlangt wurde, summierten sich die Kosten auf 7.111,27 DM.

Die Finanzierung war trotzdem gesichert. Dazu wurde ein Darlehn der Landschaftlichen Brandkasse in Höhe von 2500 DM in Anspruch genommen, der Haushaltsplan der Gemeinde Gessel wies 2.700 DM aus und aus der Feuerschutzsteuer des Kreises Grafschaft Hoya sowie des Landes Niedersachsen wurden weitere 1500 DM aufgebracht.

 

Feste und Feiern

Natürlich wurde auch wieder gefeiert. Viele, vor allem jüngere Menschen hatten in diesem Bereich verständlicherweise einen großen Nachholbedarf. Zu den beliebten Festen, die damals ausnahmslos im „Spreeken“ gefeiert wurden, gehörte natürlich das alljährliche Feuerwehrfest.

Am 6. Juni 1951 berichtet die „Syker Zeitung“ über ein derartiges Feuerwehrfest: „Seit jeher bildete das große, von der Bevölkerung festlich begangene Feuerwehrfest im Gesseler Spreeken den Höhepunkt des Sommers. Drei große Zelte stehen für das Volksfest zur Verfügung, dessen Bewirtschaftung in den bewährten Händen des Festwirts Jan Hollwedel, Barrien, liegt“.

Drei große Zelte ! Ein solches Fest wäre heute undenkbar. Dass Gastwirt Hollwedel die Bewirtung übernahm, lag daran, dass es zu jener Zeit den „Spreekenhoff“ noch gar nicht gab. Vielleicht wurde das Fest auch deshalb so groß gefeiert, weil es eine Generalprobe für die ein Jahr später fällige Jubiläumsfeier darstellen sollte.

Dieses Jubiläum wurde im Juni 1952 gefeiert. Darüber schreibt die „Syker Zeitung“ am 14. Juni 1952: „Am Sonntag feiert die Gesseler Feuerwehr im Spreeken ihr 50-jähriges Bestehen durch ein kameradschaftliches Fest, zu dem die ganze Bevölkerung eingeladen ist. Drei Zelte sind aufgebaut, Kapelle Großheim und der Spielmannszug Kirchweyhe stellen die Musik, die Bewirtschaftung hat in bewährter Weise Gastwirt Pleuß übernommen. Das Programm sieht u.a. einen Umzug mit Gefallenenehrung an den Denkmälern in Leerßen und Gessel vor, wo Feuerwehrhauptmann Heusmann Kränze niederlegen wird. Die Jubilare Johann Brüning, Heinrich Siemer und Hauptmann Heusmann sind bereits für ihre 40-jährige bzw. 25-jährige Dienstzeit ausgezeichnet worden.

Als einziger ehemaliger Feuerwehrmann aus dem Gründungsjahr, als die damalige Pflicht-Feuerwehr aufgestellt wurde, befindet sich noch Heinrich Wülfers unter den Lebenden.“

 

Verbesserung der Geräte

Die Einsätze beschränkten sich in diesem Jahren vorwiegend auf Brandeinsätze. Darüber liegen zahlreiche Berichte vor. Und immer wieder ist die Rede davon, wie aufopferungsvoll die Aktiven versucht haben, die Brände zu löschen und noch größere Schäden zu verhindern. Dabei zeigte sich natürlich, dass die Erfolge größer wurden, je besser die Wehren mit Fahrzeugen und Gerät ausgestattet waren. Als im Sommer 1957 der Bohrbrunnen bei D. Bramstedt fertig war, empfahl Brandabschnittsleiter Heinrich Sievers bei dessen Bauabnahme der Ristedter Wehr, eine neue Spritze zu beschaffen. - Schon im Dezember war sie einsatzbereit.

In Gessel bereitete der alte Jeep immer größere Probleme. Ortsbrandmeister Johann Heusmann informierte die Gemeindeverwaltung darüber am 11. Januar 1959:

„Das Feuerwehrauto ist alt und eine große Last für die Wehr und auch für die Gemeinde. Trotz vieler Reparaturen ist der Wagen nie einsatzbereit. Wir schlagen vor: Verkauf des Autos und Anschaffung eines neuen Anhängers, der jederzeit mit Trecker einsatzbereit ist. Die hohen Kosten für Reparaturen und Benzin würden dann gespart.“

Außerdem weist Heusmann in diesem Brief auf die gefährdete Löschwasserversorgung hin: „Die Freiwillige Feuerwehr stellt den Antrag, in der Gemeinde die Wasserstellen für die Feuerbekämpfung in Ordnung zu bringen. Die Bohrbrunnen sind alle versandet und nicht brauchbar. Schlagen vor: Die alten Brunnen mit neuzeitlichen Filtern zu versehen. Die Zisterne in Leerßen reparieren und abdichten zu lassen.“ Und weil man gerade schon mal am Beantragen war, äußerte Heusmann noch einen dritten Wunsch: „Die Motorspritze ist alt und ohne Gasstrahler. An versandeten Brunnen nicht zu gebrauchen. Da die Zuschüsse für eine neue Motorspritze äußerst günstig sind, möchten wir der Gemeinde die Anschaffung einer neuen Motorspritze empfehlen.“

Zumindest die letzte Empfehlung wurde vom Rat befolgt. Im Juni 1959 stand eine neue Tragkraftspritze TS 8/8 mit VW-Motor zum Preise von 3.700 DM in Gessel. Lieferant war die Firma Walter Bergmann in Bremen-Walle, die sich verpflichtete, das Bedienungspersonal kostenlos an Ort und Stelle bei Ablieferung der Tragkraftspritze anzulernen.

 

25jähriges Jubiläum

1959 feierte die Freiwilligen Feuerwehr Ristedt ihr 25jähriges Bestehen nur in kleinem Rahmen gefeiert wurde, weil der langjährige Gemeindebrandmeister Johann Clausen am 1. Dezember 1958 wegen Fortzuges seinen Posten zur Verfügung gestellt hatte und sein Nachfolger Georg Stöver in seinen ersten Amtswochen sicher andere Sorgen hatte.

Der damalige Schriftführer Heinrich Bode schreibt dazu im Protokollbuch: "Am 14.11.59 feierte die Wehr ihr 25jähriges Jubiläum bei Vereinswirt und Kameraden Horst Cordes. An der Feier nahmen alle Kameraden mit ihren Frauen teil. Ferner wurden eingeladen: Kreisbr. Hellmers, Stellv. Kreisbr. Masemann, Unterkreisbr. Eggers, Schirrmeister Sievers, der Gemeinderat, die Lehrerschaft, Wilh. Wülfers, Polizei und die Vorstände von Schützenverein und Reichsbund.

Der diensthabende Gem.Brandmeister Georg Stöver begrüßte die Gäste. Der Gemeinderat, vertreten durch Herrn Ansorge, überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde und überreichte dem langjährigen Gemeindebrandm. Joh. Clausen, der wegen Fortzuges sein Amt niederlegte, ein Andenken. Kreisbr. Hellmers dankte dem Gem. Brandm. Joh. Clausen und ernannte ihn zum Ehrenbrandmeister. Den diensthabenden Brandm. Georg Stöver beförderte er zum Brandmeister."

 

Die Versorgung mit Löschwasser bleibt problematisch

Obgleich das Ortskommando Gessel im Januar 1959 eine Verbesserung der Feuerlöschteiche bei der Gemeinde angemahnt hatte, blieb die Löschwasserversorgung problematisch. Unterstützt wurde die Forderung der Feuerwehr durch ein Rundschreiben des Landkreises, in dem alle Gemeinden aufgefordert wurden, ihre Feuerlöschteiche zu reinigen, zu entschlammen und zu entkrauten. Außerdem sollte jeder Teich auf einen Nutzinhalt von mindestens 100 Kubikmeter gebracht werden und eine frostsichere Ansaugstelle erhalten.

Im Januar 1960 unternahm der Brandverhütungsingenieur Böhrenz gemeinsam mit Orts-Brandmeister Johann Heusmann eine Begehung der Feuerlöschteiche und fertigte darüber ein Protokoll an.

Darin heißt es, dass im Einzugsbereich der Freiwilligen Feuerwehr Gessel 87 bäuerliche Anwesen gezählt wurden, von denen sieben noch über strohgedeckte Häuser verfügen. Die Löschwasserstellen reichen nicht aus, um auch das letzte Haus mit einer 300-Meter-Schlauchleitung zu erreichen.

Die Feuerlöschteiche, zwei in der Moorheide und ein weiterer in Leerßen, enthalten jeweils 300 Kubikmeter Wasser, die Zisterne in Leerßen weitere 50 Kubikmeter. Insgesamt kommt die Wehr auf einen Löschwasserbestand von 1204 Kubikmetern bei zehn Entnahmestellen.

Die vorhandene Motorspritze hat jedoch nur eine Leistung von 1000 Kubikmetern. Deshalb schließt das Protokoll mit folgendem Eintrag: „Nach obiger Berechnung liegt ein Fehlbedarf vor, in der Praxis sind jedoch drei Bohrbrunnen versandet. Besonders fehlt es an Löschwasser in der neuen Siedlung“.

 

Das VW-TSF 8

Offenbar hatte der Antrag, den Jeep durch einen Anhänger zu ersetzen, der durch einen Trecker zum Einsatzort geschleppt werden sollte, den Gesseler Gemeinderat durch seine Bescheidenheit gerührt. Dass auf diese Weise kein zeitgemäßer Löscheinsatz mehr gefahren werden konnte, leuchtete jedem Ratsherrn ein. Wahrscheinlich hatte Ortsbrandmeister Johann Heusmann die Reaktionen aus dem Rat auf diesen Antrag richtig gedeutet, wahrscheinlich hatte er sogar den Tipp bekommen, den Wunschzettel etwas zu erweitern.

Deshalb schrieb er am 10. April 1960 an den Gemeinderat: „Die Freiwillige Feuerwehr stellt den Antrag auf Anschaffung eines VW-Feuerwehrwagens. Der Transport mit dem Trecker geht zu langsam und ist ein Behelf. Vom Kreis wird die Anschaffung richtiger Fahrzeuge empfohlen, die eben mit dem Zuschuß günstig liegen. Sollte die Anschaffung eben noch nicht möglich sein, so sollten doch Mittel dafür bereitgestellt werden.“

Nun, die Mittel ließen sich sicherlich nicht so einfach aus dem Hut zaubern, aber dank eines Zuschusses in Höhe von 2000 Mark durch die Jägerschaft konnte am 29. Juli 1962 ein VW TSF mit 34 PS und 1192 Kubikzentimetern zum Preis von 6.380 DM in Betrieb genommen werden. Extra berechnet wurden M & S-Reifen, Rundum-Scheinwerfer, Bosch-Doppeltonhorn und ein Lenk-Schloss.

 

Christian Landsberg wird neuer Gemeindebrandmeister

Zu diesem Zeitpunkt war Johann Heusmann bereits nicht mehr Gemeindebrandmeister. Er hatte im Mai 1961 sein Amt zur Verfügung gestellt. Er hatte dieses Amt 1948 von Johann Brüning übernommen. Anfang 1961 hatte er eine heftige Auseinandersetzung mit Kreisbrandmeister Heinrich Sievers, die er zum Anlass nahm, von seinem Amt zurückzutreten. Seinen Entschluss teilte er am 7. Mai 1961 dem Gemeinderat schriftlich mit: „Auf der General-Versammlung der Freiw. Feuerwehr am 20.4.1961 wurde der Tischlermeister Chr. Landsberg als Gemeinde-Brandmeister gewählt. Bitte denselben zu bestätigen.

"Nach den gemachten Äußerungen des Kreisschirrmeisters Sievers über unsere Wehr im öffentlichen Lokal habe ich mich entschlossen, mein Amt als Gemeinde-Brandmeister sofort niederzulegen.“

Natürlich verabschiedeten die Gesseler Aktiven ihren langjährigen Gemeindebrandmeister nicht nur mit einem „Dankeschön“. Für seine Verdienste sollte er zum Ehrenbrandmeister ernannt werden. Die Übergabe des neuen Löschfahrzeuges bot dazu einen würdigen Rahmen, und der feierliche Akt vollzog sich im Anschluss an die oben geschilderte Übergabe des neuen TSF im Gasthaus „Zur schönen Aussicht“.

 

Ristedt bekommt ein neues Gerätehaus

Das neue Gerätehaus wurde am 3. Mai 1963 gerichtet" und am 26. August erhielt die Wehr eine LF 8 Spritze. Als am 19. Dezember 1964 in Anwesenheit des Kreisbrandmeisters Sievers und des Landesverbandsvorsitzenden Helmers der Ristedter Wehr die Schlüssel für das neue Gerätehaus und das neue LF 8 übergeben wurden, hatte das Löschfahrzeug seine Feuertaufe bei der Bekämpfung des Brandes bei Hermann Bischoff bereits bestanden.

Während der Jahreshauptversammlung im Januar 1965 bedankte sich Ortsbrandmeister Georg Stöver beim Gemeinderat und bei der Gemeinde für das neue Gerätehaus und das moderne LF 8.

Bei dieser Versammlung führte erstmals Manfred Schierloh das Protokoll. Darin schreibt er: "Er (gemeint ist der Ortsbrandmeister Georg Stöver) legte uns anheim, mit Liebe und Können und bei den Bränden durch selbstlosen Einsatz dieses der Gemeinde zu danken, welches, so glaube ich, wir im Laufe des Jahres 1965 oft bewiesen haben".

Nach dem Bau des neuen Gerätehauses und der Beschaffung des LF 8 tauchte bei einem Moorbrand im August 1968 ein neues Problem auf, denn von den drei örtlichen Sirenen gab nur noch eine einen Ton von sich.

Um sich mit dem neuen Fahrzeug besser vertraut zu machen, wurde beschlossen, mit dem Fahrzeug alle zwei Wochen etwa 25 Kilometer weit zu fahren. Dazu wurden vier Gruppen mit jeweils fünf Mitgliedern gebildet. Wie sich die älteren Mitglieder erinnern, wurden dafür Strecken ausgewählt, die erstaunlich häufig an verschiedenen Gasthäusern vorbei führten.

 

Johann Lampe übernimmt die Gesseler Wehr

Plötzlich und unerwartet starb 1966 Gessels Gemeindebrandmeister Christian Landsberg. Zu seinem Nachfolger wurde der damals erst 26 Jahre alte Johann Lampe gewählt. Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass dieser junge Mann die Wehr mehr als 30 Jahre lang führen würde. Noch weniger war zu diesem Zeitpunkt abzusehen, welche Entwicklung die Wehr nehmen würde. In dieser Zeit gab es allerdings eine Unterbrechung, denn 1974 wurde Dieter Rohlfs für ein Jahr mit der Führung der Wehr beauftragt.

Da der Platz im Feuerwehrgerätehaus knapp wurde, bat die Wehr im November 1968 die Gemeindeverwaltung um Zustimmung dafür, den Leichenwagen zu verschrotten. „Dieser wird seit längerer Zeit nicht mehr benutzt. Er ist altersschwach und somit untauglich geworden. Im Gerätehaus nimmt er unnötig Platz in Anspruch“, heißt es in dem Antrag, dem offenbar zugestimmt wurde, denn im Protokoll der Jahreshauptversammlung 1969 heißt es: „Der zweite Teil des Gerätehauses wurde frei und an H. Köhnenkamp vermietet“. - Unter heutigen Gesichtspunkten hätte man wahrscheinlich anders entschieden.

Mit scharfen Worten kritisierte Johann Lampe während der Jahreshauptversammlung 1969 die Tatsache, dass die Ausrüstung nicht den Erfordernissen entsprach: „Man sollte die Freiwilligkeit der Kameraden nicht durch eine mangelhafte Ausrüstung aufs Spiel setzen“, erklärte er und regte an, die mangelhafte Ausrüstung durch intensiven Übungsdienst auszugleichen. Daher beschloss die Versammlung die Einführung eines Strafgeldes für jeden Kameraden, der bei Übungen fehlte.

 

Führungswechsel auch in Ristedt

Bei der Jahreshauptversammlung 1970 trat Ortsbrandmeister Georg Stöver wegen Erreichens der Altersgrenze von seinem Posten zurück. Für die Nachfolge stellten sich Heinrich Stöver und Heinz Saffe zur Wahl. Heinrich Stöver erhielt die meisten Stimmen und trat damit die Nachfolge seines Vaters an. Auf Vorschlag des stellvertretenden Gemeindebrandmeisters Heinrich Bode stellte die Versammlung den Antrag an die Gemeinde, Georg Stöver zum Ehrenbrandmeister zu ernennen.

Der Gemeinderat stimmte diesem Antrag zu, so dass Bürgermeister Friedo Brüning im November 1971 Georg Stöver zum Ehrenbrandmeister ernannte.

 

Gebiets- und Verwaltungsreform

Dennoch fehlte in den Jahren vor der Gebiets- und Verwaltungsreform offensichtlich die richtige Motivation. 1973 konnte die Gesseler Wehr nicht einmal mehr eine Wettkampfgruppe melden, weil die Aktiven sich dafür zu alt fühlten. Auch in Ristedt wurde die Dienstbeteiligung einige Male gerügt. Im März 1974 musste Heinrich Stöver wieder darum bitten, den Dienst ernster zu nehmen. Er machte sogar den Vorschlag, Strafgelder zu erheben, aber die Versammlung stimmte dagegen.

Und dann schildert Manfred Schierloh den Rest der Versammlung wie folgt: "Die Uhr zeigte auf 21.20 Uhr und die Tür ging auf, und, siehe da, beide Sievers waren da. (Kreisbrandmeister Heinz Sievers und Gemeindebrandmeister Heinrich Sievers).

Kreisbrandmeister Sievers begrüßte uns mit den Worten "Liebe Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Syke". Demnach hat unsere Ristedter Wehr ihre Selbständigkeit aufgegeben und muss sich also auch dem neuen Spleen der Reformen der derzeitigen Regierung unterwerfen".

Gleich zur ersten Jahreshauptversammlung nach der Reform gab es die "Beruhigungspille": Der stellvertretende Stadtdirektor Erhard Meyer kündigte an, dass die Stadt Syke über Mittel verfüge, um eventuell auftretende Lücken zu schließen. Manfred Schierloh notierte: "Er glaube versprechen zu können, dass die Ristedter Wehr eine neue TS bekomme, sowie Kampfanzüge und Funkgerät. - Nun, wenn man solche erfreulichen Mitteilungen zu hören bekommt, kann man zuversichtlich weiterplanen". - Mit Speck fängt man Mäuse !

Schon am 13. September 1975 wurde ein Übungsdienst angesetzt, damit sich die Aktiven mit der neuen TS und dem neuen Funkgerät vertraut machen konnten.

 

Das 75-jährige Jubiläum der Gesseler Feuerwehr

Nachdem 1976 bei einem Großbrand die traditionsreiche „Schöne Aussicht“ abgebrannt war, tagte Gessels Wehr ausschließlich in dem erst wenige Jahre alten „Spreekenhoff“. Hier wurde am 25. Juni 1977 auch das 75-jährige Bestehen der Wehr gefeiert. Es war kein Riesenfest, aber das Protokoll sagt aus, dass es „in gesellschaftlicher wie in finanzieller Hinsicht ein großer Erfolg war“.

Wenn zu diesem Zeitpunkt der Beschluss über Strafgelder fürs Fehlen beim Übungsdienst noch gültig war, dann müsste die Kameradschaftskasse recht voll gewesen sein, denn Johann Lampe kritisierte seine Kameraden und rügte die schlechte Beteiligung am Übungsdienst. Auch der Gerätewart bekam „sein Fett weg“: Seine mangelhafte Arbeit wurde von Lampe ebenfalls stark kritisiert.

Aber das könnte auch mit dem Zustand des Gerätehauses zusammenhängen, denn dessen Standort wurde seit dem Ausbau der Gesseler Straße heftig diskutiert. Stand es ursprünglich noch drei Meter von der Straße entfernt, so führte nach deren Ausbau der neu angelegte Radweg direkt an den beiden Toren vorüber. „Es fehlt ganz einfach der nötige Raum zum gefahrlosen Rangieren. Kein Wunder, dass in der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses die Frage gestellt wurde, ob das Haus irgendwann abgerissen würde“, heißt es am 11.11.1982 in der „Regionalen Rundschau“.

 

Das neue Feuerwehr-Gerätehaus

Zu diesem Zeitpunkt stand in Ristedt bereits ein neues Feuerwehrgerätehaus. Während der Jahreshauptversammlung am 3. März 1979 wurden zwei Alternativen diskutiert: Ein Anbau am Gerätehaus oder eine Verlegung ins Sportlerheim. Man wurde sich nicht einig und vertagte die Entscheidung.

Die Zeit bis zur nächsten Versammlung wurde genutzt, um über den Bauplatz zu verhandeln. Für den Anbau am Gerätehaus wurde noch eine Fläche von 100 m² benötigt. "H.H. Wienberg erklärte sich bereit, den Grund und Boden entgeltlich an die Stadt Syke abzutreten", heißt es im Protokoll.

Die Stadtverwaltung wurde um eine Ortsbesichtigung gebeten, die am 10. April 1979 erfolgte. Dabei waren Stadtdirektor Wodtke, Bauamtsleiter Hermann Döbbeling, Ortsbürgermeister Friedo Brüning und das Ortskommando anwesend. "Da alle Details abgeschlossen schienen, wurde zugesagt, am 1. April 1980 mit dem Bauvorhaben zu beginnen", heißt es im Protokoll.

Bei der Jahreshauptversammlung am 1. März 1980 war der Stadtdirektor anwesend. Heinrich Stöver schlug vor, dass jedes Mitglied unentgeltlich etwa 15 Stunden Eigenarbeit leisten könnte und Facharbeiter darüber hinaus eine Vergütung erhalten sollten. Wodtke war dagegen. Die heute selbstverständlichen Eigenleistungen waren damals noch ungewöhnlich. Ein Fürsprecher war jedoch Kreisbrandmeister Heinrich Sievers. Da die Ortschaft Ristedt schon so etwas wie ein kleiner Stützpunkt sei, würden die jetzt anfallenden Probleme wohl gelöst werden. Der Rat der Stadt Syke hätte sich zwar lange Gedanken darüber gemacht, doch wenn Eigenleistung zum Angebot stehe, sollte man hier in Ristedt mit dem Experiment anfangen, schlug er vor. Am 8. März 1980 wurde der erste Spatenstich für den Anbau am Gerätehaus getan, am 19. April wurde Richtfest gefeiert, und am 15. November 1980 wurde der Anbau eingeweiht. 1250 Stunden Eigenarbeit wurden geleistet, 575 Arbeitsstunden wurden bezahlt.

Bei der Einweihung lobte Stadtdirektor Karl-Heinz Wodtke die Initiative und den überragenden Idealismus, mit denen die Ristedter Wehrmänner ihren Neubau zustandegebracht hätten. Sie hätten gezeigt, was der Zusammenhalt in der Wehr wert sei. Die Gesamtkosten betrugen 81.000 DM, das Gestühl weitere 4.000 DM.

 

Gerätehaus-Neubau geplant

Der Gerätehaus-Neubau in Gessel verlief wesentlich turbulenter. Immer häufiger wurden Vergleiche mit den Gerätehäusern anderer Wehren angestellt. Unter den schlechten äußeren Bedingungen litt das Engagement der Aktiven. Die Forderung nach einem Neubau wurde immer lauter. Gebaut werden sollte nahe der Bahnunterführung auf einem Grundstück gegenüber der Einmündung der Straße „Am Dorfrand“.

Parallel dazu hatte aber auch das Bauamt der Stadt Syke bereits einen Standort ausgeguckt. Weil in Gessel ein Ortskern entwickelt werden sollte, plante die Verwaltung einen Bau beim Kindergarten. Am 3.12.1985 gab es eine außerordentliche Mitgliederversammlung, zu der auch Stadtdirektor Wodtke erschienen war. Grundsätzlich stimmte Wodtke dabei dem Beschluss einer Versammlung aus dem Jahre 1983 zu, in dem das Ortskommando aufgefordert wurde, „einen Standort zu vertreten, der die optimalsten Bedingungen für den effektivsten Einsatz der Wehr bietet“, wie es im Protokoll heißt. Aber die Sache hatte einen Haken: Aus Kostengründen wollte die Stadt gleichzeitig die Gerätehäuser in Wachendorf, Henstedt, Barrien und Gessel bauen lassen. Dies wäre jedoch nur möglich gewesen, wenn in Gessel auf einem „sofort bebaubaren Grundstück“ hätte gebaut werden können. Das war jedoch bei dem von der Wehr vorgeschlagenen Grundstück Meier/Holle nicht gegeben, sondern nur beim Kindergarten im Baugebiet Clasen. Sollten die Gesseler auf ihrem Vorschlag beharren, so Wodtke, dann müssten sie mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa zwei Jahren rechnen.

Die anschließende Abstimmung zeigte, dass man lieber später als beim Kindergarten bauen wollte: 28 Mitglieder stimmten für den Bauplatz Meier/Holle, drei enthielten sich der Stimme und fünf Kameraden wünschten sogar einen Erweiterungsbau am alten Standort.

Dieser Beschluss sorgte für ziemlich viel Wirbel und wilde Spekulationen. Sollten etwa der FC und die Feuerwehr gemeinsam ein Gebäude nutzen ? Wurde vielleicht sogar eine Zusammenlegung mit der Barrier Feuerwehr erwogen ?

Erneut wurde eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Dazu hatte sich die Stadtverwaltung durch Kreisbrandmeister Wilkens und Stadtbrandmeister Borstelmann verstärkt und zeigte deutlich, dass sie von ihrer Position nicht abweichen würde. Stadtdirektor Wodtke und der damalige Bürgermeister Walter Huntemann begründeten ihren Wunsch-Standort mit städtebaulichen Gesichtspunkten: „Wir müssen dahin kommen, dass wir in Gessel eine dörfliche Mitte bilden können“, erklärte der Bürgermeister.

Wie die Stimmung bei dieser Versammlung war, schildert ein Bericht in der „Syker Zeitung“ am 5.12.1986 sehr deutlich: „Die Hoffnung auf eine faire Diskussion, von vielen Rednern geäußert, trog dann im Verlauf der dreistündigen Aussprache, die durch deutliche Emotionen, unterschwellige Polemik und offenkundige „Informationsengpässe“ geprägt war“. Auch das Ergebnis dieser Versammlung, bei der weiterhin 22 Stimmen für den Standort „Holle/Meier“ abgegeben wurden und bei 15 Enthaltungen nur zwei dem Standort „Kindergarten“ zustimmten, wird in diesem Bericht kurz zusammengefasst: „An sich sind alle Beteiligten in Sachen Feuerwehrgerätehaus Gessel, angefangen bei der Feuerwehr bis hin zur Verwaltung und zum Rat, heute genau so schlau wie vor einem Jahr“.

 

Endlich kann gebaut werden

In den folgenden Wochen muss es offenbar einige Gespräche zwischen Verwaltung, Ratsmitgliedern und dem Ortskommando gegeben haben, denn die Jahreshauptversammlung im Januar 1987 verlief überraschend „zahm“. Darüber heißt es in der „Syker Zeitung“ vom 26.1.1987: „Ortsbrandmeister Johann Lampe nahm allen Mitgliedern den Wind aus den Segeln. In seinem Jahresbericht kritisierte er das Verfahren und bemängelte, dass von Seiten des Stadt und Kreisbrandmeisters keine Rückendeckung gegeben worden sei und meinte, dass das Haus schon hätte stehen können, wenn man Seitens der Stadt gleich gesagt hätte, was „Sache sei“ und die Wehr gar nicht erst um eine Standortfrage gebeten hätte.“

Bei der anschließenden Diskussion ging es um die erforderliche Eigenleistung der Mitglieder, denn Ortsbürgermeister Bernhard Schindler erklärte, dass Eigenleistungen der Mitglieder ein Bestandteil des Finanzierungsplanes sind. Noch deutliche wurde Johann Lampe, der darauf hinwies, dass von den Mitgliedern schon etwas mehr an Arbeitsleistung als nur der „Olympische Gedanke“ gefragt sei und sprach von etwa 20 Arbeitsstunden pro Mann.

Trotzdem stimmten 33 Mitglieder für dieses Verfahren, sieben enthielten sich und nur zwei waren dagegen.

 

Endlich im neuen Heim !

Im Januar 1991 erklärte der Vorsitzende des Feuerwehrausschusses im Rat, Ludwig Stöver, dass mit dem begonnen werden könnte, denn die Mittel dafür stünden im Haushaltsplan bereit. Danach ging alles sehr schnell. Schon im Oktober 1992 wurde das neue Gerätehaus offziell eingeweiht. Es war ein Festtag für den ganzen Ort, doch bei aller Freude über den Neubau erinnerte Ortsbrandmeister Johann Lampe bei der Einweihung daran, dass man acht Jahre lang auf dieses Ereignis habe warten müssen. „Ich hoffe, dass dieses Haus eine Stätte der Kameradschaft, der Geselligkeit und der Begegnung werden möge“, erklärte er. Lob gab es vom Ortsbürgermeister Bernhard Schindler, der von einem harten Stück Arbeit in der Vorbereitungszeit sprach. Um so größer sei jetzt die Freude über den schmucken Bau. „Aber wir haben nicht nur die Hand aufgehalten, wir haben alle zugepackt und in Gessel über die Parteigrenzen hinweg zusammengehalten“, erklärte er.

Tatsächlich: Bei der Planung hatte man 640 freiwillige Arbeitsstunden der Mitglieder vorgesehen. Etwa 2300 Freiwillige Arbeitsstunden wurden schließlich geleistet, darunter auch von einigen Gesseler Einwohnern, die der Wehr überhaupt nicht angehörten.

 

50 Jahre Freiwillige Feuerwehr Ristedt

Zu diesem Zeitpunkt hatte man in Ristedt gleich mehrere Gründe zum Feiern. "An unseren Wehren wird nicht gespart. Der Fuhrpark sollte immer auf dem neuesten Stand der Technik sein", erklärte Sykes Stadtkämmerer Ludwig Schierenbeck während der Versammlung am 6. März 1982. Dieser Grundsatz hatte zur Folge, dass Ortsratsmitglied Ludwig Stöver die frohe Botschaft überbringen durfte, dass Geld für ein neuen TLF 8 Waldfahrzeug genehmigt sei. Dieses Fahrzeug wurde am 19. Oktober 1982 abgeholt und am 4. Dezember 1982 offiziell durch die Stadt Syke übergeben.

Am 7. Juli 1984 feierte die Ristedter Wehr 50. Geburtstag.

Dazu begrüßte Ortsbrandmeister Heinrich Stöver viele Gäste aus Verwaltung, Rat, Ortsrat und den Vereinen. Erstmals war auch die Bundeswehr zu Gast. Außerdem waren die Ortsbrandmeister der Wehren der Stadt Syke und der Nachbarwehren erschienen.

In seiner Laudatio ging Heinrich Stöver noch einmal die 50 Jahre durch, erzählte von der Gründung der Freiwilligen Wehr, der eine Pflichtfeuerwehr vorausgegangen war und erinnerte an die Brandmeister vor ihm: Johann Clausen und Georg Stöver. Nach dem Krieg wurde 1964 ein neues Gerätehaus errichtet, das 1980 erweitert wurde. 1964 wurde auch ein LF 8 beschafft, das 1982 durch ein neues TLF 8 ersetzt wurde. Heinrich Stöver freute sich darüber, dass er bei dieser Feier mit Johann Plate auch noch ein Gründungsmitglied von 1934 begrüßen konnte.

Der Kassenbericht bei der nächsten Jahreshauptversammlung bewies, wie schön die Jubiläumsfeier war, denn der im Jahr davor neu gewählte Kassenwart Hermann Kammann-Cordes legte "tiefrote" Zahlen vor.

 

Gründung der Jugendfeuerwehr (Ristedt)

Zwei Tage nach der Jubiläumsfeier folgte das nächste denkwürdige Ereignis in Ristedts Wehr: Die Gründung der Jugendfeuerwehr Ristedt am 9. Juli 1984.

Jugendfeuerwehrwart Werner Speckmann berichtete ein halbes Jahr später, "dass die Kleinen mit Begeisterung bei der Sache sind. Sie gewannen schon erste Pokale, und im Dienst fehlte keiner von ihnen".

Im Sommer 1985 nahm die Jugendfeuerwehr am Landeszeltlager im Harz teil und erhielt ein Gemeinschaftszelt, das die Stadt Syke bezahlte. 1986 präsentierten die Jugendlichen an einem Tag der offenen Tür der Bevölkerung das Gerätehaus und unternahmen 1988 sie eine Reise nach Frankreich.

Inzwischen gehörten der Gruppe 18 Jugendliche an.

Am Jahresende 1989 stellte Werner Speckmann sein Amt als Jugendwart zur Verfügung. Ralf Keil wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Als Manfred Schierloh, "die alte Schreibmaschine", nach 27 Jahren 1991 seinen Posten als Schriftführer aufgab, stiftete er der Jugendfeuerwehr einen Satz T-Shirts und sein Nachfolger Friedhelm Emshoff fügte einen Wimpel dazu.

 

Ein neues altes Löschfahrzeug

Ein "heikles Thema" wurde im März 1985 in Ristedt diskutiert. Es ging um ein neues Geräte- und Löschfahrzeug. "Da die Stadt Syke ein neues Fahrzeug bekommt, also nur vom Feinsten, war man Seitens der Stadt der Meinung, dass wir ihr Altes bekommen könnten. Ja, und so hat es sich ja auch ergeben", vermerkt das Protokoll im März 1985.

Um beide Fahrzeuge besser unterbringen zu können, wurde beschlossen, die Trennwand zwischen den Fahrzeugen herauszunehmen und die Arbeiten bis auf den Ausbau des Trägers in Eigenleistung zu erledigen.

 

Gründung der Jugendfeuerwehr (Gessel)

Das Jahr 1992 wird in den Annalen der Gesseler Wehr als ein ganz besonderes Jahr eingehen, denn neben dem neuen Gerätehaus und der Feier des 90-jährigen Bestehens wurde eine Jugendgruppe gebildet.

Zu der Gründungsversammlung im März waren 13 Jungen und zwei Mädchen erschienen. Ortsbrandmeister Johann Lampe begrüßte auch den Kreisjugendfeuerwehrwart Reinhold Nordhorn, dessen Stellvertreter Karl Krügener, Stadtjugendwart Uwe Meyer, Barriens Ortsbrandmeister Uwe Hüneke sowie Anja Büntemeyer, Jens Seifert und Marco Schablowski von der Barrier Jugendfeuerwehr.

Nachdem Lampe die Kinder über Aufbau und Aufgaben der Feuerwehr informiert hatte, stellte er ihnen ihren neuen Jugendwart Frank Rohlfs sowie Marco Schablowski aus der Ortsfeuerwehr Barrien vor, der den neuen Jugendwart zunächst unterstützen werde. Von jetzt an habe er keine Angst mehr um den Fortbestand der Freiwilligen Feuerwehr Gessel, betonte Ortsbürgermeister Bernhard Schindler und wünschte den Jugendwarten eine glückliche Hand im Umgang mit den Kindern, und Stadtjugendwart Uwe Meyer brachte 700 DM mit, die er als „Starthilfe“ aus dem Syker Stadtsäckel hatte loseisen können.

 

Neuer Ortsbrandmeister

Für die Ristedter Wehr war die Generalversammlung am 7. März 1992 ein denkwürdiges und mit Spannung erwartetes Ereignis, denn Heinrich Stöver kandidierte nicht wieder für den Posten des Ortsbrandmeisters. Fünf Kandidaten wurden von den Mitgliedern vorgeschlagen, doch nur Dieter Wienberg und Manfred Poggenburg kandidierten. Die Mehrheit entschied sich für Dieter Wienberg.

Zur Stellvertreter-Wahl trat Manfred Poggenburg nicht an, so dass Friedhelm Emshoff alle Stimmen auf sich vereinigen konnte.

Am gleichen Abend wurde festgelegt, das Zeltlager auf einem 6 ha. großen Grundstück von Dieter Wienberg zu veranstalten. In diesem Jahr sorgte die Altersabteilung für eine gründliche Renovierung der alten Handdruckspritze. Sie wurde rechtzeitig vor dem großen Zeltlager fertig, was vor allem ein Verdienst von Heinrich Stöver war. Sie steht seitdem als Blickfang im Gerätehaus.

"Ohne einige edle Spender hätten die erforderlichen 1000 DM für die Restaurierung allerdings nicht zur Verfügung gestanden", hob Kassenwart Hermann Kammann-Cordes hervor.

 

Das Kreiszeltlager

Am 26. Juni 1991 wurde in Ristedt mit 25 gegen 5 Stimmen beschlossen, sich als Austragungsort für das Kreisjugendfeuerwehr-Zeltlager zu bewerben. Eine wichtige Maßnahme erfolgte im März 1993, als die Wehr Lutz Theel zum Ehrenmitglied ernannte. Diese Ernennung war im Hinblick auf das Zeltlager und die damit verbundenen Arbeiten nicht mit Geld aufzuwiegen, denn damit war das damals auf dem Hohen Berg stationierte Fla.Rak-Batallion mit seinen vielen Möglichkeiten in die Vorbereitungsarbeiten eingebunden.

Im März 1994 begann nach der Hauptversammlung die "heiße Phase". Zunächst wurden "die drei Stützen" der Jugendfeuerwehr – Karsten Schwerdt - Heike Wozny - Andreas Hink - geehrt. Anschließend bestätigte Stadtdirektor Peter Schnabel eine Ausfallbürgschaft für das Zeltlager.

Dieter Wienberg ordnete einen 14tägigen Dienst für alle Mitglieder an, der kurz vor dem großen Ereignis wöchentlich um einen Arbeitsdienst-Tag erweitert wurde, "was nicht ausschließt, dass auch einige Helfer täglich im Einsatz sein müssen, um alle Vorbereitungen rechtzeitig unter Dach und Fach zu bringen", wie er hinzufügte. Es wurde ein Kreiszeltlager der Superlative. Mehr als 1300 Kinder und Jugendliche verbrachten heiße Tage in Ristedt. Betreut wurden sie von mehr als 400 Helferinnen und Helfern aus Ristedt und Umgebung. Sie brachten es auf etwa 35.000 Dienststunden. - Alles unentgeltlich und freiwillig !

 

Das Gesseler Löschfahrzeug kommt in die Jahre

Bei der Jahreshauptversammlung 1992 hatte Sicherheitsbeauftragter Frank Lehrfeld es schon anklingen lassen: „Mit unserem Fahrzeug sollten nur noch Kameraden fahren, die das Fahrzeug schon kennen. Die Bremsen könnten versagen !“

Das war ein schon mehr als deutlicher Hinweis darauf, dass dieses Fahrzeug eigentlich schon nicht mehr einsatzbereit war. Und dabei war es in anderen Feuerwehren durchaus üblich, dass auch die Mitglieder der Jugendfeuerwehr in den Einsatzfahrzeugen zu den Wettbewerben gebracht wurden. Gar nicht auszudenken, was da hätte passieren können !

Aber es dauerte noch ein Jahr, bis das neue Löschfahrzeug endlich in Gessel in der Halle stand, das der damalige Stadtbrandmeister Dieter Scharf der Wehr im Januar 1993 versprochen hatte.

 

Gründung der Damengruppe

Was viele schon lange vermutet hatten, trat nach dem Neubau ein: Gessels Wehr wurde attraktiv wie wohl noch nie zuvor in der Vergangenheit. Die Zugänge beschränkten sich nicht allein auf Jugendliche, deren Zahl sich innerhalb eines halben Jahres von 15 auf 21 erhöhte. Während der Jahreshauptversammlung schlossen sich noch weitere 13 Mitglieder an, denn neben drei männlichen Neuzugängen wurden auch noch zehn Damen in den aktiven Dienst aufgenommen.

Diese hatten sich auf einer vorhergehenden Versammlung durch Johann Lampe, Eberhard Schierenbeck und Frank Rohlfs gründlich über Rechte und Pflichten im aktiven Dienst informiert und dann den Beschluss gefasst, sich über Lehrgänge für die Arbeit in der Wehr fit zu machen.

Petra Hinrichs hatte auch die Motivation der Damen erläutert, und das war ein echtes Kompliment: „Unsere Feuerwehrmänner verstehen sich toll. Wir Frauen stehen aber oft nur daneben. Das soll jetzt anders werden“.

Das Ortskommando erhielt von den Frauen den Auftrag, sich um Lehrgänge zu bemühen, für einen Erste Hilfe-Lehrgang meldeten sie sich sofort. Natürlich wurde auch die Kleiderfrage ausführlich diskutiert. Da im Etat für die Gesseler Wehr kein Geld mehr dafür vorhanden war, versprach Stadtbrandmeister Dieter Scharf Hilfe aus dem Fundus der Syker Zentrale. Er hatte aber eine Bedingung dabei: „Die Anprobe mache ich !“

 

Es kommt Leben in „die Bude“

Das neue Gerätehaus, der neue Sportplatz, der Kindergarten und der „Spreekenhoff“ entwickelten sich allmählich zu dem, was in den 80-er Jahren noch heftig diskutiert wurde, den Stadtplanern aber wohl als Vision vorschwebte: Hier entwickelte sich tatsächlich ein von allen Einwohnern akzeptierter Ortsmittelpunkt.

Die Feuerwehr trug dazu ganz erheblich bei, denn die Jugendgruppe, die Damengruppe und auch die Aktiven sorgten dafür, dass im Gerätehaus ständig Betrieb war. „Bewegung in allen Gruppen“ stellte Johann Lampe während der Jahreshauptversammlung 1994 fest. Dabei erinnerte er auch an das sehr gut besuchte Kinderfest und lobte die vielen neuen Ideen und das große Engagement der Mitglieder. Sein Dank galt dabei Marco Schablowski, der nach fast zwei Jahren seine Mitarbeit in der Jugendleitung beenden konnte und mit großem Dank an die Barrier Ortsfeuerwehr „zurückgegeben“ wurde. Ein ganz besonderes Dankeschön galt aber Marianne Rohlfs, die unentgeltlich für die Reinigung des Gerätehauses sorgte, sowie Erna Scheel, die ganz spontan Blumenschmuck auf dem Gelände um das Gerätehaus anlegte.

Dass diese kleinen Gesten und großen Taten das Zusammenleben der Dorfgemeinschaft ungemein förderten, versteht sich fast von selbst. „Unser Feuerwehrgerätehaus hat sich längst verzinst“, lobte Ortsbürgermeister Bernhard Schindler diese Entwicklung.

 

Johann Lampe stellt sein Amt zur Verfügung

1966 hatte Johann Lampe den Posten eines Gemeinde-Brandmeisters übernommen und wurde nach der Gebiets- und Verwaltungsreform als Orts-Brandmeister übernommen. Zwischen 1974 und 1975 hatte er dieses Amt an Dieter Rohlfs abgegeben. Als er 1999 sein Amt aufgab, hatte er die Wehr 32 Jahre lang geführt. Das war eine Zeitspanne, in der sich im Bereich der Feuerwehr, nicht nur in Gessel, so ziemlich alles verändert hatte. Aus der beschaulichen Gemeindefeuerwehr war eine schlagkräftige Basis Feuerwehr mit modernstem Gerät geworden. Als Johann Lampe mit „seiner“ Wehr im Jahre 1992 das 25-jährige Amtsjubiläum feierte, wurden das neue Gerätehaus eingeweiht und eine Jugend- und eine Damengruppe gebildet. Bis zu seinem Ausscheiden hatte er zahllose Dienste, darunter auch mehrere ernsthafte Einsätze geleitet. Er vertrat die Belange der Wehr im Rat der Stadt Syke als Vorsitzender des Feuerschutz-Ausschusses und hat unzählige Stunden für die Feuerwehr geopfert.

Dass seine Kameraden ihn bei seiner Verabschiedung zum Ehrenbrandmeister ernannten, drückte den Dank, den ihm die Gemeinschaft schuldete, nur unvollkommen aus.

 

Ein Mannschaftstransportwagen wird gesponsert

Die ständig steigende Zahl in der Gesseler Jugendfeuerwehr führte zu einem Transportproblem. Auf Dauer konnte es niemandem zugemutet werden, die vielen Kinder und Jugendlichen in privaten PKW zu den Wettkämpfen zu transportieren.

Die Idee kam von Klaus-Peter Göcke: Es musste ein Jugendfeuerwehr-Förderverein gegründet werden. Ziel dieses Vereins sollte es sein, Geld zur Beschaffung eines Mannschaftstransport-Wagens zu beschaffen und anschließend auch die laufenden Kosten zu bestreiten, denn die Stadt Syke hatte die Beschaffung dieses Fahrzeuges abgelehnt.

Im März 2001 gründete sich dieser Förderverein, dem 60 Mitglieder beitraten, von denen etwa ein Drittel noch nicht einmal der Feuerwehr angehörten. Der Grund: Sie betrachten diesen Förderverein als eine Art Bürgerinitiative für ihren Ort.

Im September 2001 wurde der neunsitzige VW-Caravan von den Jugendlichen übernommen.

 

Die neue alte Spritze

Zu diesem Zeitpunkt waren Uwe Hüneke und Heiko Radtke gerade dabei, die alte Handdruckspritze „aufzumöbeln“. Sie zerlegten das Gerät bis auf die letzte Schraube, reinigten und ölten sie und setzten alles fein säuberlich wieder zusammen. Zwei Monate langdauerte die Arbeit. Etwa 400 Stunden der Freizeit opferten die beiden, wobei sich Heiko Radtke um die Pumpe und Uwe Hüneke das Fahrgestell kümmerten.

Aber nicht nur die Spritze erstrahlte in neuem Glanz, auch die fahrbare Haspel funktioniert wieder, und sie ist eine fast noch größere Rarität als die Spritze. Erstaunt waren die beiden Tüftler, als sie unter dem Kutschbock sogar noch das alte Original-Werkzeug entdeckten.

 

Kleine Sehenswürdigkeiten

Natürlich gehört ein derartiges Schmuckstück nicht in irgendeinen dunklen Schuppen. Viel zu stolz war man auf das Gerät aus den Kindertagen der Gesseler Wehr. Bis zum Jubiläum sollte die Spritze ein neues Zuhause bekommen. Im Gerätehaus war dafür allerdings kein Platz. Mit dem Bau einer Halle war die Stadtverwaltung einverstanden, konnte dafür aber kein Geld für locker machen. Aber es fanden sich starke Partner:. Rolf Holle übernahm die Bauplanung, die Firmen Könenkamp & Eickhoff, Voß & Sohn, Burkhardt Kastens, Herbert Gohl und das Bauzentrum Schierholz stellten Gerät und Material zur Verfügung. In Eigenleistung sollte das Haus hochgezogen werden. Heiko Radtke, Uwe Hüneke, Andreas Winkelmann und Klaus Rohlfs erklärten sich dazu bereit. Und dann gab es wieder eine Überraschung, denn spontan halfen Dachdecker Peter Wessel und Tischler Andreas Brüning beim Bau mit, obgleich sie der Wehr überhaupt nicht angehörten.

Auch die alte Ristedter Handdruckspritze bekam einen würdigen Standort, weil Mitglieder einen Anbau am Gerätehaus bauten, in dem die renovierte, aufgehübschte alte Spritze immer wieder die Blicke auf sich zieht.

 

Kontakt

Freiwillige Feuerwehr der Stadt Syke
Ortsfeuerwehr Gessel-Ristedt
Ristedter Kirchweg 3a
28857 Syke

Telefon: (04242) 937 398 2
(nicht ständig besetzt)

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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